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Der italienische Botschafter in Ägypten kam  zum Leichenschauhaus, um seinen toten Landsmann zu sehen. Italien verlangt lückenlose Aufklärung.
Der italienische Botschafter in Ägypten kam zum Leichenschauhaus, um seinen toten Landsmann zu sehen. Italien verlangt lückenlose Aufklärung.(Foto: dpa)

Leiche mit Folterspuren gefunden: Italienischer Student in Kairo ermordet

Am Abend des 25. Januar verschwindet ein italienischer Doktorand spurlos in Kairo. Es ist der Tag, an dem sich die Massenproteste auf dem Tahrirplatz zum fünften Mal jähren. Außerhalb der Stadt wird nun die Leiche von Giulio Regeni gefunden.

Ein vor zehn Tagen in Ägypten als vermisst gemeldeter Student aus Italien ist offenbar einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Wegen des "tragischen Tods von Giulio Regeni in Kairo" sei der ägyptische Botschafter in Rom einbestellt worden, teilte das italienische Außenministerium mit. Laut Medienberichten wurde die Leiche des 28-Jährigen bereits am Mittwochmorgen an einer Schnellstraße entdeckt, die von der Hauptstadt Kairo in die Satellitenstadt "6.-Oktober-Stadt" führt.

Nach Angaben aus Ermittlungskreisen wies der Körper Folterspuren auf, das Gesicht sei mit Blutergüssen übersät. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, der Körper sei Ermittlerangaben zufolge voller Schnitte und Einstiche gewesen. Außerdem weise die Leiche Verbrennungen durch Zigarettenstummel auf. Es sehe alles nach einem "langsamen Tod" aus. Zudem sei der Körper zum Teil verbrannt worden.

Der italienische Außenminister Paolo Gentiloni verlangte von der ägyptischen Regierung, den Fall umgehend zusammen mit italienischen Experten aufzuklären. "Wir wollen, dass die Wahrheit ans Licht kommt", sagte Gentiloni am Rande der Syrien-Geberkonferenz in London dem Sender RaiNews24. Der ägyptische Botschafter sicherte nach Angaben Roms zu, sein Land werde alles dafür tun, um die Täter ausfindig zu machen.

Giulio Regeni, der an der renommierten britischen Universität Cambridge studierte, recherchierte in Kairo für seine Doktorarbeit. Am Abend des 25. Januar verschwand er unter bislang ungeklärten Umständen. Ägyptischen Medien zufolge wurde der 28-Jährige an dem Tag zuletzt an einer Metrostation im Stadtteil Giza gesehen und habe sich im Stadtzentrum mit einem Freund treffen wollen. Danach verliert sich seine Spur. Am 25. Januar war der fünfte Jahrestag der Massenproteste gegen den damaligen Machthaber Husni Mubarak. Anders als geplant kam es aber nicht zu größeren Feiern.

Quelle: n-tv.de

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