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Beschädigte Anlagen und Rohrleitungen in der vierten Etage des Reaktorgebäudes 4.
Beschädigte Anlagen und Rohrleitungen in der vierten Etage des Reaktorgebäudes 4.(Foto: AP)

Missachtete Sicherheitsstandards: Japan schlampt in Fukushima

Japan hat die Atomanlage in Fukushima nicht ausreichend gegen Tsunamis geschützt und außerdem bei der Bewältigung der Kernschmelze versagt. Zu dieser Einschätzung gelangt die Internationale Atomenergiebehörde. Tokio habe es versäumt, die Umsetzung von 2002 beschlossenen Maßnahmen zu kontrollieren.

Aufnahme einer Gammastrahlen-Kamera im Reaktor 3 von Fukushima 1.
Aufnahme einer Gammastrahlen-Kamera im Reaktor 3 von Fukushima 1.(Foto: REUTERS)

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat Japans Reaktion nach dem Unfall im Atomkraftwerk Fukushima kritisiert. Das Land hätte nach dem schweren Erdbeben, dem Tsunami und dem anschließenden Atomunfall auf ein von der IAEA vorgesehenes Übereinkommen für Hilfsleistungen zurückgreifen müssen, heißt es in einem Bericht der Behörde. Dieser soll am Montag auf einer Konferenz zur Atomsicherheit in Wien vorgestellt werden. Das Übereinkommen regelt im Fall eines Atomunfalls die Zusammenarbeit zwischen der IAEA und verschiedenen Ländern hinsichtlich Hilfsmaßnahmen, Sicherheit und Kommunikation.

Japan habe dies nie angewendet, kritisiert die IAEA in dem Bericht, der auf Einschätzungen von Experten nach einem Besuch in Japan beruht. Zugleich bemängelte die Behörde, dass Japan von der IAEA empfohlene mehrstufige Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor Bedrohungen von außen nicht richtig umgesetzt habe. Diese Empfehlungen sind für die IAEA-Mitgliedstaaten allerdings nicht bindend. Daneben seien auch die im Jahr 2002 verschärften Anti-Tsunami-Maßnahmen von den Behörden nicht richtig umgesetzt worden.

Die Mitarbeiter der Atomanlage hätten in der Krise hervorragende Arbeit geleistet, so die IAEA. Die Vorgaben zur Bewältigung eines solchen Unfalls seien jedoch nicht ausreichend gewesen.

Wieder Rückschlag in Fukushima

Seit der Atomkatastrophe vom 11. März dringt aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima noch immer radioaktive Strahlung. Erst jetzt wieder hat der Betreiber Tepco bei der Reinigung von hoch radioaktiv verseuchtem Wasser einen Rückschlag hinnehmen müssen. Nur fünf Stunden nachdem in Reaktor 1 am Freitagabend erstmals eine Wasserwiederaufbereitungsanlage zum Einsatz kam, zeigten sich erste Schäden am System, möglicherweise durch eine Strahlung, die höher als erwartet ist. Ursprünglich hatte der Kraftwerksbetreiber damit gerechnet, dieses Teil mindestens einen Monat lang einsetzen zu können. Es war zunächst unklar, wann die Reinigung des Wassers weitergehen kann.

Die mit französischer und US-Technologie gebaute Anlage soll mehr als 100.000 Tonnen Wasser, das nach der Havarie zur Kühlung der Reaktoren eingesetzt wurde, von Cäsium und anderen radioaktiven Materialien sowie Öl und Meersalz befreien. Das aufbereitete Wasser soll dann zur weiteren Kühlung verwendet werden. Die Wasser-Reinigung gilt als wichtige Etappe bei der Stabilisierung des havarierten Atomkraftwerks.

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Quelle: n-tv.de

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