Panorama
Umfangreiche Eier-Vernichtung auf einer Hühnerfarm in Belgien.
Umfangreiche Eier-Vernichtung auf einer Hühnerfarm in Belgien.(Foto: picture alliance / Koen Blanckae)
Samstag, 12. August 2017

Folgen des Fipronil-Skandals: Jedem Vierten ist Appetit auf Eier vergangen

Wie in der Diesel-Affäre, so habe die Große Koalition auch beim Eier-Skandal versagt, findet Grünen-Politikerin Göring-Eckardt und fordert ein Superministerium für Verbraucherschutz. Die Konsumenten reagieren unterdessen unterschiedlich auf das Thema.

Jeder vierte Erwachsene in Deutschland isst wegen des Fipronil-Skandals weniger Eier als zuvor oder verzichtet ganz auf den Verzehr - auch wenn das Risiko aus Expertensicht gering ist. 65 Prozent stehen dem Thema gelassen gegenüber und schränken ihren Eierkonsum nicht ein, wie aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht. 15 Prozent der Befragten achten seit dem Nachweis von Fipronil darauf, in welchem Land die Eier erzeugt wurden. Fast jeder Zweite hat dies auch schon vorher getan.

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Das Insektizid Fipronil darf in der Geflügelhaltung eigentlich nicht verwendet werden. In einer am Freitagabend veröffentlichten vorläufigen Bewertung kommt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu dem Schluss, dass eine gesundheitliche Gefährdung durch Fipronil-haltige Mittel auch bei längerfristigem Verzehr belasteter Lebensmittel aber "unwahrscheinlich" sei. In der Veterinärmedizin kommt der Stoff zum Schutz von Hunden und Katzen vor Flöhen, Läusen und Zecken zum Einsatz.

Keine Rezeptpflicht mehr für Fipronil?

Einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zufolge will die Bundesregierung die Rezeptpflicht für 27 solcher Fipronil-haltigen Mittel auf Empfehlung eines Expertengremiums aufheben. Der Bundesrat könnte noch im September darüber abstimmen, meldet die Zeitung. Die Mittel wären in Apotheken und im Internet dann frei verkäuflich.

Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sind bereits 71 Medikamente zugelassen, die nur auf Fipronil basieren, wie die Zeitung berichtet. Gleiches solle für 27 weitere zugelassene Tierarzneimittel gelten, in denen Fipronil mit dem Wirkstoff Methopren kombiniert wird. Beide Varianten dürfen in der Nutztierhaltung nicht verwendet werden.

"Es geht um mehr als um Eier"

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer von den Grünen reagierte mit Unverständnis auf die Pläne und forderte ein europaweites Verbot. Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt fordert als Konsequenz aus dem Skandal einen neuen Zuschnitt der Bundesministerien: "Wir brauchen ein Superministerium für Verbraucherschutz, das auch für Umwelt- und Klimaschutz, Landwirtschaft, Energie und Digitalisierung zuständig ist", sagte die Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion den Zeitungen der "Funke Mediengruppe". Beim Eier-Skandal habe die Große Koalition ebenso wie in der Diesel-Affäre "komplett versagt".

Bundesagrarminister Christian Schmidt verlangte, umgehend aufzuklären, "wer sich hier auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher reich panschen möchte". Der "Bild"-Zeitung sagte der CSU-Politiker: "Es geht um mehr als um Eier, es geht um bessere Sicherheit vor Betrug."

Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht davon aus, dass rund 10,7 Millionen "möglicherweise mit Fipronil belastete Eier" aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert wurden. Auf Vorschlag Deutschlands hin soll es Anfang September erste politische Gespräche über eine mögliche EU-Reaktion auf den Skandal geben. Mehr als ein Dutzend EU-Länder sind betroffen.

Auch in Spanien wurden erstmals belastete Eier entdeckt. Inspektoren hätten die aus Frankreich stammenden Flüssigeier im Baskenland gefunden, berichtete die Zeitung "El País" unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Die kontaminierten Produkte seien aber nicht in den Handel gelangt.

Quelle: n-tv.de

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