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Mathematik ist das häufigste Nachhilfefach.
Mathematik ist das häufigste Nachhilfefach.(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht nur bei schlechten Noten: Jedes siebte Kind bekommt Nachhilfe

Sind die Leistungen in der Schule schlecht, muss eben Nachhilfe das Schlimmste verhindern. In Deutschland werden dabei inzwischen Millionen Euro umgesetzt. Und längst geht es nicht mehr nur darum, die 5 wegzukriegen.

Private Nachhilfe für Schüler hat sich in Deutschland zu einem lukrativen Geschäft entwickelt. Pro Jahr geben Eltern inzwischen 879 Millionen Euro dafür aus. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Demnach werden für außerunterrichtliche Fördermaßnahmen im Durchschnitt 87 Euro im Monat aufgewandt.

Insgesamt erhalten 1,2 Millionen Kinder und Jugendliche kostenpflichtige oder kostenfreie Nachhilfe, das sind 14 Prozent aller 6- bis 16-jährigen Schüler. Im Osten Deutschlands liegt der Anteil mit 16 Prozent etwas höher, im Westen mit 13 Prozent etwas niedriger. In finanzstarken Familien bekommen Kinder eher Nachhilfe (15 Prozent) als in Familien mit geringeren Einkommen.

Die Studie, für die 4300 Väter und Mütter befragt wurden, zeigt, was viele Eltern längst wissen. Mit dem Wechsel von der Grund- zur weiterführenden Schule steigt der Nachhilfebedarf. An der Grundschule erhalten nur etwa 5 Prozent der Kinder Nachhilfe, in der Sekundarstufe sind es rund 18 Prozent. Bei Gymnasialschülern ist der Prozentsatz mit 18,7 am höchsten. Erfasst wurden Angebote von Nachhilfeinstitutionen, die Unterstützung durch andere Schüler oder Studierende, von Lehrkräften, aber auch durch computergestützte oder onlinebasierte Lernangebote.

Das geht noch besser

Am häufigsten wird der Stoff im Fach Mathematik noch einmal aufgearbeitet (61 Prozent), es folgen die Fremdsprachen (46 Prozent) und Deutsch (31 Prozent). Nicht immer geht es darum, besonders schlechte Zensuren zu verbessern. Zwar stehen beispielsweise in Mathematik 83 Prozent der Nachhilfeschüler zwischen 4 und 6. Doch mehr als jeder Dritte (34 Prozent) nutzt die zusätzliche Förderung auch bei befriedigenden bis sehr guten Leistungen.

Den beeindruckenden Summen, die für die Nachhilfe ausgegeben werden, steht dennoch eine überraschende Erkenntnis gegenüber. Nur gut zwei Drittel der Eltern (69 Prozent) finanzieren die Fördermaßnahmen privat. Der Rest profitiert von kostenfreien Angeboten an Halbtagsschulen, offenen oder gebundenen Ganztagsschulen.

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, zieht aus den Ergebnissen der Studie zwei Schlüsse: "Gerade die weiterführenden Schulen müssen sich noch besser auf die Vielfalt ihrer Schüler einstellen", damit die Nachhilfe kein Ersatz für die individuelle Förderung an Sekundarschulen und Gymnasien werde. Außerdem zeige die Untersuchung, dass Ganztagsschulen einen guten Rahmen für zusätzliche und individuelle Förderung bieten. Deshalb müsse ihr Ausbau weiter vorangetrieben werden.

Quelle: n-tv.de

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