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Leipziger Organspende-Skandal: Justiz prüft Straftatverdacht

10 der 47 deutschen Transplantationszentren wurden bisher auf Unregelmäßigkeiten überprüft - in drei Kliniken gibt es Skandale um Mauscheleien und Fälschungen. Im jüngsten Fall in Leipzig schaltet sich nun die Staatsanwaltschaft ein. Eine Verbindung zu der Affäre in Göttingen wird allerdings ausgeschlossen.

Aufgrund der Manipulationsvorwürfe bei Lebertransplantationen am Leipziger Uniklinikum (UKL) prüft die Staatsanwaltschaft einen Straftatverdacht. "Wir haben ein Prüfverfahren eingeleitet, um festzustellen, ob sich aus den mitgeteilten Mängeln und Unregelmäßigkeiten Anhaltspunkte für eine strafrechtliche Relevanz ergeben", sagte Behördensprecher Ricardo Schulz in Leipzig. Man stehe allerdings erst am Anfang der Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft werde sich mit dem UKL in Verbindung setzen, um Unterlagen anzufordern.

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Das UKL hat den Direktor der Transplantationsklinik sowie zwei Oberärzte von ihren Aufgaben entbunden. Zuvor hatte die Innenrevision Mauscheleien festgestellt. Patienten sollen Krankheiten bescheinigt worden sein, die sich nicht hatten, um sie in den Wartelisten für Transplantationen nach oben zu bringen.

Nach aktuellem Ermittlungsstand haben die Leipziger Manipulationen aber nichts mit der Göttinger Organspenden-Affäre zu tun. "Konkrete Verbindungen sind derzeit nicht bekannt", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Birgit Seel. Möglicherweise sei allerdings in Leipzig nach ähnlichen Prinzipien wie in Göttingen vorgegangen worden.

10 von 47 Transplantationszentren überprüft

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt seit Juni gegen den Ex-Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Er soll mit Hilfe eines anderen Arztes in 23 Fällen Daten so manipuliert haben, dass seine Patienten bevorzugt Spenderlebern erhielten. Die Ermittlungen sind jedoch schwierig. Wegen der Fülle an medizinischen Daten sei die Auswertung langwierig, sagte die Sprecherin der für Korruption zuständigen Staatsanwaltschaft Braunschweig. Frühestens Ende März sei mit den Ergebnissen zweier Untersuchungskommissionen zu rechnen.

Das sächsische Sozialministerium fordert eine schnelle Aufklärung der Leipziger Affäre.
Das sächsische Sozialministerium fordert eine schnelle Aufklärung der Leipziger Affäre.(Foto: dpa)

Auch an der vorigen Arbeitsstelle des Göttinger Oberarztes in Regensburg soll es Manipulationen gegeben haben. Der Transplantationsmediziner bestreitet nach Angaben seines Rechtsanwalts Steffen Stern die Vorwürfe. "Wir haben immer noch keine Akteneinsicht erhalten", sagte der Anwalt.

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums erklärte, bislang seien 10 von 47 Transplantationszentren in Deutschland überprüft worden. Dabei seien in den nun drei bekannten Fällen Auffälligkeiten herausgekommen. Im Laufe des Jahres sollten weitere Kliniken überprüft werden.

Staat soll eingreifen

Sachsens Sozialministerium forderte eine schnelle Aufklärung der Affäre in Leipzig. "Durch solche Vorfälle wird das Vertrauen in eine ordnungsgemäße Vergabe von Organen geschädigt", sagte Ministeriumssprecher Ralph Schreiber in Dresden. Das sei bedauerlich, da Sachsen stark für dringend notwendige Organspenden werbe. Der Sprecher verwies darauf, dass Organspenden keiner staatlichen Aufsicht unterlägen. Das Sozial- sowie das für die Leipziger Universitätsklinik zuständige Wissenschaftsministerium ließen sich über die laufenden Untersuchungen informieren.

Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer von der CSU forderte neue Gesetzesregelungen und einen stärkeren Einfluss des Staates. "Ich denke, es ist eine wachsende Verunsicherung bei den Menschen in Deutschland feststellbar. Die Politik muss mit gesetzlichen Regelungen noch mehr tun", sagte er in Berlin. Trotz der ärztlichen Selbstverwaltung müsse etwa die Pflicht zum Mehraugen-Prinzip bei Organtransplantationen Gesetzescharakter bekommen. Singhammer sprach sich auch dafür aus, mehr Sanktionen gegen Mediziner möglich zu machen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert nun eine bundesweite Aufklärung aller Vorwürfe. "Die neuen Manipulationsvorwürfe zeigen: Die Unregelmäßigkeiten im Organspendesystem sind keine Einzelfälle", erklärte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Je mehr Transplantationszentren überprüft würden, desto mehr Manipulationen kämen ans Licht. Es sei ein Fehler, dass das Transplantationssystem nicht in staatlichen, sondern in den Händen privater Akteure liege. Brysch forderte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr auf, dies zu ändern und einen Zeitplan dafür vorzulegen.

Quelle: n-tv.de

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