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Jörg Kachelmann und sein Anwalt Johann Schwenn hören amüsiert den Ausführungen von Alice Schwarzer zu.
Jörg Kachelmann und sein Anwalt Johann Schwenn hören amüsiert den Ausführungen von Alice Schwarzer zu.(Foto: imago/Future Image)

"Bin Opfer eines Verbrechens": Kachelmann bei Uni-Vortrag von Schwarzer

Während Alice Schwarzer in einem Kölner Uni-Hörsaal über sexuelle Gewalt gegen Frauen referiert, meldet sich Moderator Jörg Kachelmann zu Wort. Es gebe auch weibliche Verbrecherinnen, sagt er - und erhält eine eher überraschende Antwort.

In der Fehde zwischen Wettermoderator Jörg Kachelmann und Frauenaktivistin Alice Schwarzer ist kein Ende in Sicht: Seit Jahren liefern sich die beiden einen Rechtsstreit, der zuletzt vor dem Oberlandesgericht Köln zugunsten von Kachelmann entschieden worden war. Dabei ging es um die Frage, ob Schwarzer den 58-Jährigen einen Vergewaltiger nennen darf. In einer Glosse, die in der feministischen Zeitschrift "Emma" veröffentlicht wurde, hatte die Publizistin genau dies getan - und wollte es auch weiterhin tun. Am Ende scheiterte sie mit einer Nichtzulassungsbeschwerde vor dem Bundesgerichtshof (BGH). Der Dauerstreit mit Kachelmann hätte damit eigentlich vom Tisch sein können. Doch beide sind sich offenbar nach wie vor in inniger Abneigung verbunden.

Während eines Vortrags von Schwarzer zum Thema "Sexualgewalt gegen Frauen und Recht" am Donnerstagabend an der Universität Köln kam es nun zum erneuten Schlagabtausch. In die Diskussion mit den Studenten mischte sich plötzlich auch Kachelmann ein, der sich bis zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit seinem Anwalt zwischen den Studenten versteckt hatte. Laut einem Bericht der "Berliner Zeitung" sagte er: "Danke, dass ich heute Abend hier sein darf. Ich habe meinen Namen oft gehört". Schwarzer hatte den Fall des 58-Jährigen während ihres Vortrags als idealtypischen Beleg für ihre Kritik an der deutschen "Täterjustiz" im Sexualstrafrecht herangezogen. Doch Schwarzer erkannte zunächst gar nicht, wen sie da vor sich hatte.

"Wer sind Sie denn, mein Lieber?", fragte Schwarzer der Zeitung zufolge. "Mein Name ist Jörg Kachelmann", entgegnete dieser - und begann dann damit, erneut seine Unschuld in dem spektakulären Vergewaltigungsfall von vor sechs Jahren zu beteuern. "Ich bin Opfer eines Verbrechens geworden", rief Kachelmann demnach in den Hörsaal. "Es gibt auch weibliche Verbrecherinnen". Seine Ex-Geliebte Claudia D. hatte den Moderator 2010 der Vergewaltigung beschuldigt. Es kam zum medial viel beachteten Prozess, an dem sich auch Schwarzer als Beobachterin für die "Bild"-Zeitung beteiligt und klar Partei für die Klägerin ergriffen hatte. 2011 wurde Kachelmann dann freigesprochen.

Alice Schwarzer ist gerührt

In den Folgejahren klagte der 58-Jährige gegen die "Bild"-Zeitung auf Schadenersatz - und gewann. Er klagte gegen Schwarzer auf Unterlassung - und gewann. Nun klagte er den Zuhörern in Köln noch einmal sein Leid. Doch die Studentenschaft war vom Vorgehen des Moderators offenbar eher irritiert. Schließlich hielt auch noch der Hamburger Verteidiger Kachelmanns, Jürgen Schwenn, einen Vortrag über die falsche Beschuldigung seines Mandanten. Die letzten Momente seines Auftritts wurden von einer Studentin mit dem Handy auf Video festgehalten. Er endete mit den Worten: "… sonst wären Sie nicht zu Schadensersatz verurteilt worden".

Es folgten ein paar vereinzelte Buhrufe aus den Hörsaalreihen. Und dann setzte Schwarzer zu einer Antwort an, die ihr zumindest vonseiten der Studentenschaft Applaus einbrachte. "Ihre Ergänzung ist interessant", sagte die 74-Jährige. "Aber was ich mal jenseits aller Emotionen sagen will - ich weiß nicht, ob ich jetzt die richtigen Worte finde: So tief sitzt das? So ein leidenschaftliches Ding ist das, dass die beiden Herren eigens aus Hamburg und Zürich anreisen?" Da sei sie fast ein bisschen gerührt, so die Feministin. Kachelmann sagte über seinen Auftritt später, er sei "in fröhlicher Entspanntheit" nach Köln gereist. Schwarzer äußerte sich nicht noch einmal.

Quelle: n-tv.de

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