13.02.2012 02:53 Uhr Frankfurt 01:53 Uhr London 20:53 Uhr New York 10:53 Uhr Tokio
Suche
Panorama

Dienstag, 29. August 2006

"Zart, nett, gescheit": Kampusch plant ihre Zukunft

Das Entführungsopfer Natascha Kampusch erholt sich offenbar immer besser von den Strapazen des jahrelangen Martyriums. So plant die junge Frau bereits ihre Zukunft. Die 18-Jährige wünsche sich eine Ausbildung, sagte ihr Rechtsanwalt der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Der Jurist beschrieb Kampusch als "zarte, sehr nette, gescheite Frau" und "intellektuell unheimlich talentiert". Sie beschäftige sich vor allem mit Schreiben, Malen, Lesen, Reden.

Die Polizei will die Ermittlungsgespräche mit Natascha Kampusch, die sich noch immer an einem geheimen Ort aufhält und betreut wird, an diesem Mittwoch fortsetzen. "Es geht ihr ganz gut. Sie hat sich erholt", sagte der Sprecher der Sonderkommission, Gerhard Lang, in Wien. Die Polizei erwarte sich neue Aufschlüsse, werde über den Inhalt des Gespräches jedoch Stillschweigen bewahren. Oberstes Gebot sei, die Privatsphäre der jungen Frau zu schützen.

"Lasst mir Zeit"

Am Montag hatte die 18-Jährige, die sich vergangenen Mittwoch nach acht Jahren aus der Gewalt ihres Entführers befreien konnte, in einem Appell an die Medien und an die Öffentlichkeit genau darum gebeten. "Lasst mir Zeit, bis ich selbst berichten kann", schrieb sie in einem Brief. Kampusch kündigte an, keinerlei Auskunft über intime Details zu geben. Nach APA-Informationen liegen einem Medienmanager bereits Anfragen von mehr als 70 internationalen Medien vor. Er werde die Anfragen sammeln und mit Kampusch besprechen, sagte er. Einen Termin, wann ein Interview stattfinden könnte, nannte er nicht.

Eine Betreuerin wehrte sich derweil gegen neuerliche Vorwürfe der Eltern, ihre Tochter werde vor ihnen abgeschirmt. Sie appellierte im österreichischen Rundfunk ORF an die Geduld von Mutter und Vater: "Es sind acht Jahre vergangen. Es muss sich jetzt eine neue Art der Beziehung entwickeln. Das braucht Zeit." Natascha entscheide selbstständig über ihre Kontakte und darüber, wie sie künftig leben wolle und ob sie das Angebot wahrnehmen werde, in eine betreute Wohngemeinschaft zu ziehen.

Ein Anwalt soll in Kampuschs Namen auch Ansprüche auf jenes Haus geltend machen, in dem sie gefangen gehalten wurde. Das berichtete die österreichische "Kronen-Zeitung". Es gehe dabei auch um Schadenersatzforderungen für erlittene seelische Qualen.

Spurensicherung dauert an

Die Spurensicherung wird nach Angaben der Kriminalpolizei in Wien noch einige Tage andauern. Die Arbeiten im Haus des Entführers Wolfgang Priklopil würden dadurch erschwert, dass die Baupläne nicht mit dem tatsächlichen Zustand des Hauses überein stimmen. Es werde noch untersucht, ob es weitere Räume oder Hohlräume gebe. Die sicher gestellten Beweismittel, darunter Notizzettel, Bücher, Videokassetten und der Computer des Täters, würden erst ausgewertet, wenn die Spurensicherung vor Ort abgeschlossen sei.

Die damals zehnjährige Natascha Kampusch war am 2. März 1998 auf dem Weg zur Schule entführt worden. Priklopil hielt sie in einem Verlies in seinem Haus in Strasshof knapp 20 Kilometer nordöstlich von Wien fest. Vor knapp einer Woche war der jungen Frau in einem unbeobachteten Moment die Flucht gelungen. Der Täter nahm sich wenige Stunden später das Leben.

Österreichs Innenministerin Liese Prokop kritisierte die Ermittlungsmethoden nach der Entführung am 2. März 1998. Damals waren auf die Aussagen einer Zeugin hin rund 700 Inhaber von weißen Mercedes-Lieferwagen überprüft worden. Dabei war auch der Täter Wolfgang Priklopil befragt worden. Die Fragen seien jedoch bezüglich familiärer und örtlicher Situation ungenau gewesen, sagte Prokop der in Wien erscheinenden Zeitung "Kurier": "Wenn ich alle Fragen auf einen Raster gebracht hätte, dann hätte ich vielleicht nicht mehr 700, sondern 25 Personen übrig gehabt. Da ist es dann schon leichter, zu prüfen."

Artikel versenden

"Zart, nett, gescheit": Kampusch plant ihre Zukunft

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.