Panorama

Scheinhinrichtungen auf der "Stavanger"Kapitän: Das war Psychoterror

06.08.2009, 18:19 Uhr

Sie waren fast vier Monate lang Geiseln somalischer Piraten. Monatelang schwankten die entführten Seeleute zwischen Todesangst und Hoffnung. Nach Schilderung des Kapitäns wurde die Besatzung der "Hansa Stavanger" psychisch unter massiven Druck gesetzt. An Bord soll es Scheinhinrichtungen gegeben haben.

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Ende eines viermonatigen Martyriums: Die "Hansa Stavanger" auf dem Weg nach Mombasa. (Foto: dpa)

"Nonstop waren schwere Maschinenpistolen auf unsere Köpfe gerichtet. Das war Psychoterror rund um die Uhr", sagte Kapitän Krzysztof Kotiuk in einem ersten Telefoninterview nach der Freilassung der ARD. Der vor der Küste Somalias gekaperte deutsche Frachter mit 24 Mann Besatzung war am Montag nach vier Monaten freigekommen, nachdem die Piraten angeblich rund zwei Millionen Euro Lösegeld erhalten hatten.

Immer wieder sei es zu Scheinhinrichtungen gekommen. Ihm selbst sei zweimal gesagt worden, dass er erschossen werden solle, berichtete der Kapitän. "Die Männer zielten mit Gewehren auf mich und mir wurden die Augen verbunden. Ich war pitschnass vor Angst und stand kurz vor einem Herzinfarkt." Einer der Offiziere sei bei einer solchen Aktion zusammengebrochen.

"Es hätte ein Blutbad gegeben"

Die Piraten seien besonders nervös und aggressiv gewesen, wenn Helikopter über dem Schiff gekreist seien. "Sie haben uns als menschliche Schutzschilde missbraucht." Die kurzfristig abgesagte Befreiungsaktion der Elitetruppe der Bundespolizei GSG 9 hätten die Piraten über BBC Somalia mitbekommen. "Die Befreiungsaktion hätte keinen Erfolg gebracht, im Gegenteil, es hätte ein Blutbad gegeben. Unsere ganze Mannschaft war ja auf der Brücke verteilt, es hätte viele Tote gegeben."

Die Versorgung an Bord sei sehr schlecht gewesen. Seit Ende Mai hätten die Seeleute kein normales Essen mehr gehabt und von den Piraten Reis bekommen, den sie aus den geladenen Containern gestohlen hätten. Wasser habe es an Bord gegeben, allerdings von schlechter Qualität: "Wir haben das Schwitzwasser aus der Klimaanlage gesammelt." Das habe aber nicht zum Duschen und Putzen gereicht. "Alles war sehr dreckig. Wir mussten uns mit 40 Personen eine Toilette teilen, die war ständig verstopft und wurde nie gesäubert."

Generell gehe es seiner Mannschaft den Umständen entsprechend gut. "Wir sind alle sehr müde und froh, dass es vorbei ist. Das hat einfach zu lange gedauert." Das Schiff soll nach Angaben der Reederei am Freitag in der kenianischen Hafenstadt Mombasa eintreffen.

Quelle: dpa