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Der Wohnung des Papstes ist versiegelt, sein Fenster bleibt geschlossen - das Angelus-Gebet fällt aus.
Der Wohnung des Papstes ist versiegelt, sein Fenster bleibt geschlossen - das Angelus-Gebet fällt aus.(Foto: dpa)

Konklave wird vorbereitet: Kardinäle kommen nach Rom

Im Vatikan laufen die Vorbereitungen für die Wahl eines neuen Papstes. Die Kardinäle kommen dazu zur ersten Generalkongregation zusammen. Es dürfte um den Beginn des Konklaves gehen - und um die Enthüllungen der Vatileaks-Affäre. Auf dem Petersplatz beten derweil Pilger für Benedikt XVI. und seinen Nachfolger.

Mit dem ersten Zusammentreffen der Kardinäle beginnt an diesem Montag die heiße Phase der Vorbereitung auf die Wahl eines neuen Papstes. Das Kollegium kommt am Morgen im Vatikan zusammen, um die Details des Konklaves zu besprechen und über den Beginn der Wahl des Nachfolgers für den zurückgetretenen Benedikt XVI. zu beraten. Mit einer Entscheidung wird allerdings noch nicht gerechnet. Nach den bisherigen Plänen soll der neue Papst möglichst schon zu Ostern Ende März im Amt sein.

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Wie viele Kardinäle an der ersten Generalkongregation in der Synoden-Aula des Vatikans teilnehmen, war noch unklar. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sagte, etliche Kardinäle kämen erst zum Wochenanfang in Rom an, einige könnten auch gar nicht kommen. Die über 200 Kardinäle wurden am Freitag in einem Brief offiziell dazu aufgefordert, sich für die Vorbereitungen auf das Konklave im Vatikan zu versammeln.

Im Fokus der Kardinäle dürfte auch ein geheimer Bericht über den sogenannten Vatileaks-Skandal stehen. Zwar hatte Benedikt entschieden, dass nur sein Nachfolger Einblick in die Untersuchungen über die Weitergabe von Dokumenten aus dem Vatikan an Journalisten erhalten soll. Die Verfasser des geheimen Dokuments, drei ältere Kardinäle, würden aber "ihre Einsicht nutzen, um die notwendige Orientierung zu geben", hieß es in Vatikan-Kreisen.

Korruption und "homosexuellen Aktivitäten"

"Wir werden über die Führung der Kirche sprechen und in diesem Zusammenhang könnte es auch Fragen an die Menschen geben, die den Bericht geschrieben haben", sagte Kardinal Francis George aus Chicago. Natürlich müsse die Geheimhaltungspflicht beachtet werden. "Ich denke, wir werden aus vielen Quellen genug erfahren, um herauszufinden, was für eine gute Führung der Kirche notwendig ist."

Auch die Briefmarken des Vatikans weisen auf den leeren Stuhl Petri hin.
Auch die Briefmarken des Vatikans weisen auf den leeren Stuhl Petri hin.(Foto: dpa)

Benedikts Kammerdiener Paolo Gabriele war verurteilt worden, weil er persönliche  Papiere des Papstes entwendet und an die Medien weitergegeben hatte. In den Papieren war von Korruptionsvorwürfen die Rede sowie von internen Machtkämpfen bei der Bank des Vatikans, die bereits in der Vergangenheit mehrfach im Zentrum von Skandalen stand. In dem unter Verschluss gehaltenen Bericht sei zudem von "homosexuellen Aktivitäten" im Vatikan die Rede, hieß es in einem Medienbericht ohne Quellenangabe. Der Vatikan war italienische Medien daraufhin vorgeworfen "falsche und schädliche Berichte" zu verbreiten.

Obwohl auf dem Petersplatz kein Angelus-Gebet stattfand, versammelten sich dort zahlreiche Touristen und Pilger. Einige beteten für Benedikt und seinen Nachfolger. Nach dem Rücktritt des 85-Jährigen wird das traditionelle Gebet ausgesetzt, bis ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt ist. In den vergangenen acht Jahren kamen nach Angaben von Radio Vatikan insgesamt etwa zehn Millionen Menschen zu den Angelus-Gebeten mit Benedikt.

Walter Kasper ist der älteste Kardinal, der mitwählen darf.
Walter Kasper ist der älteste Kardinal, der mitwählen darf.(Foto: dpa)

Wann es einen Nachfolger geben wird, ist ebenso offen wie die Frage, wann das  Konklave beginnt. Eine Entscheidung wird im Laufe der Woche erwartet. Italienische Medien spekulierten, das Konklave werde am 11. März beginnen. An der Wahl werden nach derzeitigem Stand 115 Kardinäle teilnehmen. Abstimmen dürfen alle Mitglieder des Kardinalskollegiums, die jünger als 80 Jahre sind. Im Konklave wird der deutsche Kardinal Walter Kasper der älteste Purpurträger sein - er war vor Beginn der Sedisvakanz ("leerer Stuhl Petri") 79 Jahre alt und darf deshalb gemäß den Bestimmungen mitwählen. Kasper wird an diesem Dienstag 80 Jahre alt.

"Authentisch, führungsstark, teamfähig und reformfreudig"

Der neue Papst wird sein Amt in einer der schwersten Krisen der 2000 Jahre alten Kirche antreten. Neben der Weitergabe interner Dokumente steht der Skandal um sexuellen Missbrauch Schutzbefohlener im Fokus. Viele Gläubige hoffen nun darauf, dass die Kardinäle einen jüngeren Nachfolger möglichst aus einem Land der Dritten Welt bestimmen werden. Offizielle Kandidaten gibt es nicht. Als mögliche Bewerber gelten Peter Turkson aus Ghana und Antonio Tagle von den Philippinen. Dazu kommt der Brasilianer Odilo Scherer, der Kanadier Marc Ouellet, der Italiener Angelo Scola und Timothy Dolan aus den USA.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, sagte, er wünsche sich einen authentischen, führungsstarken, teamfähigen und reformfreudigen Papst. Vor der Entscheidung der Kardinäle soll es nach seinen Vorstellungen erst einmal eine gründliche Bestandsaufnahme der Situation der Kirche in der ganzen Welt geben. Ähnlich sieht das die kirchenkritische Initiative "Kirche von unten". "Zunächst einmal müssen die notwendigen Fragen, die aufgelaufen sind und im zurückliegenden Pontifikat nicht geklärt worden sind, besprochen werden", sagte Sprecherin Verena Mosen.

Das katholische Hilfswerk Misereor hält die Herkunft des neuen Pontifex für nicht so entscheidend. "Es ist nicht wichtig, woher der Papst kommt, sondern wofür der Papst steht", sagte Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. Es wäre jedoch ein großes Zeichen, wenn der neue Papst aus Lateinamerika käme.

Papst Benedikt war am Donnerstag nach knapp achtjährigem Pontifikat zurückgetreten. Der Schritt war drei Wochen zuvor angekündigt worden und kam überraschend. Der 85-Jährige hält sich bis April in der Sommerresidenz Castel Gandolfo auf und wird dann seinen Ruhesitz in einem Kloster des Vatikans nehmen. Benedikt ist in der Kirchengeschichte erst der zweite Papst, der zu Lebzeiten aus dem Amt scheidet.

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Quelle: n-tv.de

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