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Im Sala Clementina kamen die Kardinäle zusammen, die bereits nach Rom gereist sind.
Im Sala Clementina kamen die Kardinäle zusammen, die bereits nach Rom gereist sind.(Foto: AP/dpa)

Benedikts letzte Papst-Rede: Kardinäle nehmen Abschied

Ohne große Inszenierung verabschieden die Kardinäle Papst Benedikt. Kardinal Sodano übermittelt stellvertretend für die Führungsriege der Kirche den Dank seiner Kollegen. Keiner von ihnen lässt es sich aber nehmen, noch einmal den Siegelring zu küssen, bevor dieser am Abend zerstört wird.

Unmittelbar vor seinem Rücktritt hat Papst Benedikt XVI. seinem Nachfolger "bedingungslosen Gehorsam" zugesagt. "Unter Euch ist auch der künftige Papst, dem ich meinen bedingungslosen Gehorsam und Ehrfurcht verspreche", sagte das scheidende Oberhaupt der katholischen Kirche bei seinem Abschied von den im Vatikan anwesenden Kardinälen. Die deutschen Bischöfe betonten, es gebe keine Vorabsprachen über einen Nachfolger.

"Möge der Herr denjenigen offenbaren, den er auserwählt hat", sagte der Papst bei der Zeremonie in der prachtvollen Sala Clementina im Apostolischen Palast. Anschließend spendete Benedikt XVI. den Geistlichen seinen Segen und verabschiedete sich von jedem Kardinal einzeln. Viele von ihnen nahmen dabei ihre Kopfbedeckungen ab und küssten den Siegelring des Papstes. Der Ring wird mit dem Ende des Pontifikats zerstört, für den neuen Papst wird ein neuer Ring angefertigt.

Benedikt betrat unter dem Applaus der Kardinäle den Raum. Der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, bedankte sich in einer kurzen Ansprache bei Benedikt. "Geliebter und ehrwürdiger Nachfolger von Petrus, wir müssen Ihnen danken für das Beispiel, das Sie uns in diesen acht Jahren waren", sagte Sodano. "Heiliger Vater, wir haben immer versucht, Sie mit tiefer Liebe auf Ihrem Weg zu begleiten. Heute wollen wir Ihnen noch einmal unsere ganze Dankbarkeit ausdrücken. Alle zusammen geben wir Ihnen einen Ausdruck aus Ihrem Heimatland mit auf den Weg: 'Vergelt's Gott', dass Gott Sie belohnt." Auch Benedikt dankte den Kardinälen. "Eure Nähe und Eurer Rat waren in meiner Amtszeit eine große Hilfe", sagte der scheidende Papst.

Keine Absprache unter deutschen Bischöfen

Benedikt XVI. hatte seinen Amtsverzicht vor gut zwei Wochen überraschend bekanntgegeben. Das knapp achtjährige Pontifikat des 85-jährigen Deutschen endet am Donnerstag um 20 Uhr, bereits um 17 Uhr will er per Hubschrauber den Vatikan verlassen, um sich für einige Wochen in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo nahe Rom zu begeben.

Die unter 80-jährigen wahlberechtigten Angehörigen des Kardinalskollegiums sollen in den kommenden Tagen zum Konklave zusammengerufen werden, um möglichst bis Ostern einen neuen Papst zu bestimmen. Benedikt XVI. ist der erste Papst seit dem Mittelalter, der freiwillig zurücktritt. Am Mittwoch verabschiedete er sich bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz von etwa 150.000 Gläubigen.

Die deutschen Bischöfe bekräftigten, dass sie hinsichtlich eines Nachfolgers nicht vorab festgelegt seien. Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in der vergangenen Woche in Trier seien keine Absprachen zum Konklave getroffen worden, sagte der Chef der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, in der ARD.

Kardinal kritisiert Rücktritt

"Wir haben selbstverständlich über die Wahl gesprochen, aber wir haben nun nicht über Namen miteinander gesprochen", fügte Zollitsch hinzu. Zuerst müsse die Sachfrage geklärt werden, wie der Papst die Kirche in die Zukunft führen könne. Dann komme es darauf an, dafür den Richtigen zu finden, sagte Zollitsch, der selbst nicht Kardinal ist. Am Konklave nehmen sechs Deutsche teil.

Der neue US-Außenminister John Kerry übermittelte Benedikt XVI. bei einem Besuch in Rom "die besten Wünsche". Benedikt XVI. verlasse den Vatikan nach "Jahren des Diensts und der Hingabe zu Gott, zur katholischen Kirche und zum Weltfrieden", erklärte Kerry, der selbst Katholik ist. Er werde am Tag des Rücktritts für den Papst beten.

Der ranghöchste australische Geistliche, Kardinal George Pell, kritisierte die Entscheidung Benedikts XVI. zum Amtsverzicht. Er mache es damit seinen Nachfolgern schwer, weil "Menschen, die mit einem der kommenden Päpste nicht einverstanden sind, jetzt Kampagnen für ihren Rücktritt anstoßen können", sagte Pell.

Quelle: n-tv.de

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