Panorama
Die Wasserspiele unterhalb des Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel.
Die Wasserspiele unterhalb des Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel.(Foto: dpa)

"Die Freude ist groß": Kassels Bergpark wird Welterbe

Deutschland hat seine 38. Welterbestätte: Kassel erhält für seinen Bergpark Wilhelmshöhe mit dem Herkules als Wahrzeichen den Zuschlag. Einen anderen Herkules gibt es zwar schon länger auf der Liste - trotzdem ist der aus Kassel einzigartig.

Über den Wasserspielen steht der meterhohe Herkules.
Über den Wasserspielen steht der meterhohe Herkules.(Foto: dpa)

Lange lässt das Welterbe-Komitee Kassel auf eine Entscheidung warten, dann endlich steht fest: Der Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe ist Weltkulturerbe. Mit der Eintragung in die begehrte Liste der UN-Kulturorganisation steht der Park mit dem gut acht Meter hohen Herkules als Wahrzeichen in einer Reihe mit den Pyramiden von Giseh und der Altstadt von Florenz als herausragendes Kulturdenkmal. "Die Freude ist groß", sagte der Präsident des hessischen Landesamtes für Denkmalpflege, Gerd Weiß, in Phnom Penh.

Die Experten würdigten die Anlage mit den Wasserspielen einhellig als hervorragendes Beispiel aus der Ära des europäischen Absolutismus. Nur mit der Aussprache von "Wilhelmshöhe" hatte der kambodschanische Vorsitzende des Komitees seine Mühe: Er ließ den Hammer schließlich zugunsten des Antrags "Wilmschöh" fallen. Es ist die 38. Welterbestätte in Deutschland.

Mehr als documenta

Bilderserie

"Kassel ist damit nicht mehr nur als Documenta-Stadt bekannt, die alle fünf Jahre die aktuelle Kunstszene anzieht, sondern wird ein Treffpunkt für Leute, die an der Landschafts- und Gartenarchitektur interessiert sind", sagte Weiss. Der Eintrag wurde noch am Sonntag zum Abschluss des Volksfest Hessentag in Kassel und dann in einer Woche beim Bergparkfest auf der Wilhelmshöhe gefeiert.

Weiß bezeichnete den Herkules als erste künstlerisch gestaltete Großfigur und damit Vorläufer der Freiheitsstatue. Kassel hatte schon in den 1980er Jahren deutschlandintern Interesse an einer Eintragung der Wilhelmshöhe in die Welterbeliste angemeldet. Mit dem Mauerfall geriet der Antrag vorübergehend ins Hintertreffen, weil die Bundesregierung zunächst mehr Natur- und Kulturdenkmäler aus den neuen Bundesländern zur Aufnahme vorschlug.

Antrag auf Welterbestatus für Schloss Corvey

Im kommenden Jahr will Deutschland den Welterbestatus für das mehr als 1200 Jahre alte ehemalige Benediktinerkloster Schloss Corvey bei Höxter in Nordrhein-Westfalen beantragen. Dann findet die Welterbesitzung in Katar statt.

Einen Herkules gibt es schon auf der Welterbeliste: den Torre de Hércules, oder Herkulesturm. Der Leuchtturm aus dem frühen zweiten Jahrhundert ist das Wahrzeichen der spanischen Stadt A Coruña in Galizien und weltweit der älteste Leuchtturm, der noch in Betrieb ist. Nach der Legende kämpfte Herkules auf dem Felsen einen heroischen Kampf gegen den Riesen Geryon, besiegte ihn, und baute auf seinem Grab den Turm. Die Statue vor dem Leuchtturm zeigt allerdings nicht Herkules, sondern den galicischen König Breogán - insofern ist der Kasseler Herkules einzigartig auf der Welterbeliste.

Auch Welterbe-Weltmeister erfolgreich

Welterbe-Weltmeister Italien war am Wochenende gleich mit zwei Auszeichnung erfolgreich: die Villen, die die Familie Medici zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert rund um Florenz bauen ließ, wurden ebenso als Welterbe anerkannt wie der Vulkan Ätna. Kein Land hat so viele Welterbestätten wie Italien: 49. Auf den Plätzen folgen China und Spanien, dahinter Frankreich, Deutschland und Mexiko. Ägypten hat 7 Welterbestätten, Griechenland 17, die USA haben 21. In Deutschland gehören die Museumsinsel in Berlin,  die Zeche Zollverein in Essen und seit vergangenem Jahr das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth dazu. Die Liste umfasst insgesamt 981 Stätten in mehr als 150 Ländern.

Auch der einstige Sitz des Schahs in der iranischen Hauptstadt Teheran, der Golestan-Palast, wird Welterbe. Dort wurde der 1979 vertriebene Schah Mohammed Reza Pahlavi 1941 gekrönt und dort heiratete er seine Frau Soraya. In Nordkorea wurde die alte Königshauptstadt Kaesong aus dem 10. Jahrhundert als Welterbe ausgezeichnet und auf der Halbinsel Krim in der Ukraine die einstigen griechischen Kolonien um Chersones aus dem 5. Jahrhundert vor Christus. Am Samstag hatten es unter anderem der Vulkan Fuji in Japan, die Reisterrassen in der chinesischen Provinz Yunnan und die Altstadt von Agadez in Niger auf die Liste geschafft.

Erster Welterbe-Eintrag für Namibia

Auch die Namib-Wüste im südwestlichen Afrika und das Tienschan-Gebirge in China sind jetzt offiziell einzigartige Naturschätze. Die Namib ist die einzige Küstenwüste der Welt. Für Namibia war es zudem der erste Eintrag in die Welterbe-Liste. Zum Tienschan-Gebirge hieß es: "Das Gebiet hat einen herausragenden landschaftlich reizvollen Wert und viele brillante Naturmerkmale - von roten Schluchten über Gipfel und Gletscher bis zu wunderschönen Feuchtgebieten, Wiesen und Steppen."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen