Panorama

Erdrutsch auf Rügen reißt Familie mit: Kaum Chancen für Vermisste

Eine Mutter und ihre zwei Töchter spazieren am Strand von Rügen entlang, plötzlich bricht über ihnen die Steilküste ab. Die Mutter wird schwer und eine Tochter leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. Das zweite Kind ist verschollen. Die Rettungskräfte sind die Nacht über im Einsatz. Suchhunde hatten an der Unglücksstelle angeschlagen.

Für das Mädchen besteht kaum noch eine Überlebenschance.
Für das Mädchen besteht kaum noch eine Überlebenschance.(Foto: dpa)

Ein Kreideabbruch an Rügens Steilküste hat ein Mädchen mit sich gerissen und verschüttet. Während ihre Mutter und ihre Schwester verletzt in ein Krankenhaus kamen, gab es auch fast 13 Stunden nach dem Unglück noch kein Lebenszeichen von der Zehnjährigen. Mehr als 100 Retter suchten die ganze Nacht über nach dem Mädchen, das wohl unter einer riesigen Menge Kalkschlamm begraben wurde. Suchhunde hätten dort angeschlagen, sagte der Einsatzleiter in der Nacht. Die Chancen, das Kind lebend zu finden, dürften bei den Temperaturen aber gering sein.

Die Mutter und ihre Töchter waren am Montagnachmittag unweit der Leuchttürme von Kap Arkona bei einem Strandspaziergang von dem Küstenabbruch erfasst worden, der sich aus dem Kreidefelsen gelöst hatte. Die Steilküste sei dort mehr als 35 Meter hoch, sagte eine Sprecherin des Kreises Vorpommern-Rügen auf Nachfrage. Die Mutter wurde bei dem Erdrutsch schwer verletzt, ihre 14 Jahre alte Tochter leicht. Eine vierköpfige Familie, die sich in der Nähe aufhielt, blieb unverletzt.

Keine Zufahrt über den Stand möglich

Die Polizei hatte nach eigenen Angaben gegen 15.30 Uhr von dem Abbruch erfahren. Der Landkreis löste Großalarm aus und richtete eine Einsatzzentrale ein. Feuerwehr, Polizei, Technisches Hilfswerk (THW), Rotes Kreuz und weitere Einsatzkräfte suchten seitdem auch mit Hundestaffeln und Suchscheinwerfern nach dem Mädchen. Schweres Gerät habe aber nicht eingesetzt werden können, weil es zu dem Strand keine Zufahrtstraßen gäbe, sagte ein THW-Sprecher.

Auch die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ist vor Ort.
Auch die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ist vor Ort.(Foto: dpa)

Aus dem nahe gelegenen Vitt sei stattdessen ein Amphibienfahrzeug herbeibeordert worden, um mit einer Baggerschaufel beim Graben in dem schweren Schlamm zu helfen, sagte der THW-Mitarbeiter. "Denn die Schaufel wird mit jedem Spatenstich schwerer." Sturmböen erschwerten die Arbeit zwar zusätzlich, weil der Wind aber vom Land her wehte, konnte die Suche auch über Nacht weitergehen.

Von der Seeseite her waren zunächst auch die Rettungskreuzer "Wilhelm Kaisen" und die Rettungsboote "Helene" und "Kurt Hoffmann" im Einsatz, wie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen mitteilte. Schiffe der Wasserschutzpolizei und der Bundespolizei seien ebenfalls zur Unglücksstelle dirigiert worden. Zum Zeitpunkt des Unglücks hätten dort Windstärken von bis zu sieben Beaufort (60 Kilometer pro Stunde) geherrscht.

Hohe Gefahren für Spaziergänger

Auf Rügen kommt es immer wieder zu Abbrüchen der Steilküste (Archivbild).
Auf Rügen kommt es immer wieder zu Abbrüchen der Steilküste (Archivbild).(Foto: dpa)

Auf Deutschlands größter Insel Rügen kommt es immer wieder zu unkontrollierbaren Abbrüchen der Steilküste. Der verregnete Sommer hat die Gefahr nach Angaben von Geologen vergrößert. Im August dieses Jahres war zum größten derartigen Vorfall seit neun Jahren gekommen; ein 100 Meter langer und 70 Meter hoher Abschnitt eines Felsens stürzte ins Meer. Spaziergänge unter dem Kliff können deshalb gefährlich sein. Die Behörden wollen den 13 Kilometer langen Küstenabschnitt mit Steilküste jedoch nicht sperren.

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Quelle: n-tv.de

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