Freitag, 31. März 2006
Atomunfall in Geesthacht?: Kiel: "Abstruse Vorwürfe"
Der jahrelange Streit um mögliche Ursachen von Blutkrebs-Erkrankungen bei Kindern in der Elbmarsch findet kein Ende. Atomkritische Wissenschaftler wollen in Bodenproben neue Hinweise auf einen angeblichen Atomunfall 1986 in Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) gefunden haben. Das teilten die Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS), die Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch und die Organisation Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) am Freitag in Berlin mit. Das schleswig-holsteinische Sozialministerium bezeichnete die Vorwürfe als "abstrus und abwegig".
Eine Sprecherin des Kieler Ministeriums sagte: "Das Ergebnis aller in der Vergangenheit durchgeführten Untersuchungen ist, dass es bei der GKSS und beim Kernkraftwerk Krümmel im Jahre 1986 weder eine Explosion noch einen Brand gegeben hat, bei denen Radioaktivität freigesetzt worden ist."
Die Wissenschaftler im Auftrag der GfS und der IPPNW haben seit 2004 nach eigenen Angaben Bodenproben in der Nähe des Forschungszentrums Geesthacht (GKSS) genommen. Auch in Proben von Dachstaub nahe liegender Häuser sei eine erhöhte Konzentration radioaktiver Stoffe nachgewiesen worden. Untersucht wurden die Proben nach Angaben der GfS in einem Labor im weißrussischen Minsk.
Es sei ungeheuerlich und menschenverachtend, auf der Basis reiner Spekulationen mit dieser längst widerlegten Behauptung die Angst der Menschen erneut zu schüren, sagte die Ministeriums-Sprecherin. Die Aufklärung der Ursache der Leukämie-Erkrankungen sei seit mehr als 15 Jahren mit akribischem Aufwand betrieben worden. "Die Kenntnis von einem in der Elbmarsch 2006 neu an Leukämie erkrankten Kindes berührt uns daher sehr", sagte Lehmann. Die Landesregierung setze darauf, dass die Ergebnisse einer Untersuchung des Deutschen Kinderkrebsregisters in Mainz Hinweise auf mögliche Ursachen geben.
In der Elbmarsch sind seit Anfang der 90er Jahre auffällig viele Kinder an Leukämie erkrankt. Bis heute zählten die Mainzer Mediziner 15 Fälle. Die damalige rot-grüne Landesregierung in Kiel hatte seit Ende der 90er Jahre mehrere Millionen Euro für Gutachten ausgegeben. Einen Zusammenhang zwischen den Krebs-Erkrankungen und dem Atomkraftwerk Krümmel oder dem GKSS konnte keine der Studien finden.
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