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Die Kieler Polizei war zu oft auf Spotify und Sexseiten unterwegs.
Die Kieler Polizei war zu oft auf Spotify und Sexseiten unterwegs.(Foto: dpa)
Samstag, 15. Juli 2017

Pornoseiten und Spotify: Kieler Beamte im Netz auf Abwegen?

Wegen auffällig großer Datenmengen schlagen IT-Experten Alarm. Im Kieler Innenministerium sollen auf Arbeitsplatzrechnern Pornoseiten und Streamingdienste aufgerufen worden sein. Es folgt eine Großüberwachung - mit Ansage.

Beamte in Schleswig-Holstein sollen Rechner im Kieler Innenministerium und in der Landespolizei exzessiv für private Zwecke genutzt haben. Das hat Patrick Breyer, Innenexperte der Piraten, öffentlich gemacht.

Demnach unterrichtete das Innenministerium seine Beamten und Angestellten in einem Schreiben Anfang April: "Die Protokolldateien der letzten Monate zeigen Auffälligkeiten bei der Nutzung des Internetzugangs." Auf Arbeitsplatzrechnern seien "sehr hohe Datenumfänge" und "die Nutzung von Seiten mit nicht jugendfreien Inhalten" festgestellt worden, die kein dienstliches Interesse erkennen ließen.

Wie der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (SHZ) berichtet, hörten die Mitarbeiter Musik über "Spotify" und sahen Filme über die Online-Videothek "Maxdome" oder lasen Nachrichten bei "Sport1". Außerdem sollen Pornoseiten und Seiten für Sexkontakte aufgerufen worden sein.

Die IT-Abteilung hatte wegen der hohen Datenmengen, die durch den Internet-Knoten des Ministeriums ins Landesnetz rauschten, Alarm geschlagen. Wer dafür verantwortlich ist, weiß man im Innenministerium nicht, denn eine ständige, verdachtslose Kontrolle der Dienstrechner ist nicht erlaubt.

Schwarze Liste und Warnung

Die Regeln für die Internetnutzung in den Ministerien in Schleswig-Holstein sind eindeutig: Pro Woche darf das Internet weniger als eine Stunde privat genutzt werden. Der Abruf pornografischer Inhalte und die Nutzung von Streamingdiensten werden aber generell als "Pflichtverstoß im dienst- und arbeitsrechtlichen Sinne" gewertet.

Wie SHZ berichtet, setzte das Ministerium diverse Internetseiten auf eine "Schwarze Liste", darunter die Pornoseiten Trier-diskret.de und HD18.de. Zudem wurden die Mitarbeiter informiert, dass Aufrufe dieser Seiten über einen Zeitpunkt von drei Monaten erfasst werden.

Derzeit findet die Auswertung der Online-Überwachung statt. "Sollten Auffälligkeiten festgestellt werden, können wir die Nutzer ermitteln", sagte Ministeriumssprecher Dirk Hundertmark dem Online-Portal. Wenn es weiterhin Beamte gibt, die auf Pornoseiten unterwegs waren, sollen diese angesprochen werden. Dann würde geredet und geklärt, welchen dienstlichen Anlass es möglicherweise gegeben habe, die Seite aufzurufen.

Quelle: n-tv.de

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