Panorama
Video

Nach Missbrauch an Siebenjähriger: Kieler Polizei kannte den Vergewaltiger

Nach dem schweren sexuellen Missbrauch eines Mädchens aus Kiel muss sich die Polizei unangenehmen Fragen stellen: Bereits seit Anfang Januar befand sich der Tatverdächtige im Visier der Ermittler. Doch unternommen haben sie nichts.

Nach der Vergewaltigung einer Siebenjährigen in Kiel steht die Polizei massiv in der Kritik. Denn bereits Wochen zuvor soll sich der 30-Jährige an einer Fünfjährigen vergangen haben. Der Vorfall hatte sich Anfang des Jahres vor einem Kindergarten im Stadtteil Gaarden ereignet. Am 6. Januar wandte sich das Mädchen an einen Betreuer und berichtete ihm von dem Übergriff. Bereits damals rückte der Mann ins Visier der Ermittler. Die Angaben des Mädchens waren laut Staatsanwaltschaft zunächst aber nicht konkret. "Es gab Probleme bei der örtlichen und personellen Zuordnung der Tat", sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler.

Bei einer späteren Anhörung des Mädchens hätten sich aber alle Widersprüche aufklären lassen. Die Tat habe dem Mann zugerechnet werden können. Dennoch griff die Polizei zunächst nicht ein. "Zum damaligen Zeitpunkt haben wir keine Haftgründe gesehen, weil die Person strafrechtlich bislang noch nicht in Erscheinung getreten ist - jedenfalls nicht wegen Gewaltdelikten oder einer Sexualstraftat", so Bieler. Weil der Mann sehr schnell als Tatverdächtiger galt, sah die Polizei nach eigenem Bekunden keinen Grund, sich mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit zu wenden.

Kritik an diesem Vorgehen weisen die Ermittler zurück - und verweisen darauf, dass der Mann nach der Misshandlung des siebenjährigen Mädchens innerhalb von 48 Stunden festgenommen werden konnte. "Das ist ein unglaublicher Erfolg für die Ermittler", sagte Polizeisprecher Matthias Arends. Es sei davon auszugehen, dass der Mann keine weiteren Taten begangen habe.

Hinweise auf verminderte Schuldfähigkeit

Der Mann hatte das Mädchen am Sonntag auf einem Spielplatz vor einer Schule in Gaarden angesprochen – offenbar, nachdem er versucht hatte, zuvor ein anderes Kind zum Mitgehen zu bewegen. Dieses Mädchen hatte sich der Polizei zufolge aber geweigert. Zudem hatte der Täter eine Puppe dabei und lockte die Siebenjährige offenbar unter einem Vorwand in seine Wohnung, wo er sie schließlich missbrauchte und vergewaltigte. Nach Angaben der Kieler Staatsanwaltschaft ist auf die beiden kleinen Mädchen "nicht gewaltsam eingewirkt worden, um die Tat zu begehen".

Derweil hat das Amtsgericht Kiel angeordnet, dass ein Gutachter die Schuldfähigkeit des Mannes prüfen soll. Laut Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise auf eine psychische Erkrankung. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, würde der Kieler in eine forensische Einrichtung gebracht werden. Bislang ist er in einer Justizvollzugsanstalt untergebracht.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen