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In Deutschland haben rund 2,65 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im Laufe ihres Lebens mit einem alkoholabhängigen Elternteil zusammengelebt.
In Deutschland haben rund 2,65 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im Laufe ihres Lebens mit einem alkoholabhängigen Elternteil zusammengelebt.(Foto: picture alliance / dpa)

Mehrere Millionen sind betroffen: Kinder suchtkranker Eltern brauchen Hilfe

Es ist das am besten gehütete Familiengeheimnis: die Alkohol-, Drogen- oder Spielsucht der Eltern. Wenn doch Hilfe kommt, dann in der Regel nur für die Süchtigen. Wer aber kümmert sich um die Kinder?

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, hat bessere Unterstützung für Kinder suchtkranker Eltern durch staatliche Stellen gefordert. Viele betroffene Kinder fielen in Deutschland "durch die Maschen unseres Hilfssystems", sagte Mortler. Sie fügte hinzu: "In der Suchthilfe kümmert man sich vor allem um die suchtkranken Eltern, bei den Jugendämtern ist man damit ausgelastet, sich um die offensichtlichsten Fälle der Kindswohlgefährdung zu kümmern, also etwa um sexuellen Missbrauch und physische Gewalt."

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Mortler bekräftigte: "Entscheidend ist, dass Jugendämter, Suchthilfe, öffentlicher Gesundheitsdienst vor Ort miteinander und nicht nebeneinander arbeiten. Wenn ein Kind erkennbar Hilfe braucht, müssen alle an einem Strang ziehen." Zudem müssten die Kommunen klare Ansprechpartner benennen, an die sich Erzieher oder Lehrer wenden können, wenn ein Kind ganz offensichtlich Probleme hat.

Beistand nötig ab Geburt

Mortler hat das Thema Kinder aus suchtbelasteten Familien zu einem Schwerpunkt des diesjährigen Drogen- und Suchtberichtes gemacht, der voraussichtlich Anfang Juli veröffentlicht wird. Zudem will sie am Montag auf der Jahrestagung mit Fachleuten unterschiedlicher gesellschaftlicher Einrichtungen dieses Problem erörtern.

In Deutschland haben rund 2,65 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im Laufe ihres Lebens mit einem Elternteil zusammengelebt, der die Diagnose Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit hatte. Etwa 60.000 Kinder haben einen opiatabhängigen Elternteil, und rund 37.500 bis 150.000 Kinder haben glücksspielsüchtige Eltern. Die Dunkelziffer ist hoch.

In einigen Städten, etwa in Dresden, klappe die Zusammenarbeit verschiedener Ämter vorbildlich, sagte Mortler. Sie beginne dort dann schon in der Geburtsklinik. "Wenn auffällt, dass Eltern suchtkrank sind, dann informiert das Krankenhaus das Jugendamt und die Suchthilfe. Dann schauen alle gemeinsam, wie man der Familie von Beginn an zur Seite stehen kann."

Doch auch Bund und Länder müssten ihre Hausaufgaben machen. Hier geht es um Kooperation der Sozialsysteme. Wenn etwa eine alleinerziehende, alkoholkranke Mutter zur Behandlung für ein paar Wochen in die Reha gehe, sollte die Situation grundsätzlich genutzt werden, auch die betroffenen Kinder zu betreuen. Solche Angebote gebe es aber kaum, weil nicht klar ist, wer sie bezahlen müsste.

Quelle: n-tv.de

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