"Sofort aus dem Verkehr ziehen"Kirche lässt Filmszene verbieten
Unter dem Druck der orthodoxen Kirche lässt das Kulturministerium in Griechenland eine Filmszene aus einem Video über die Geschichte der Akropolis herausschneiden. Der Regisseur Constantin Costa-Gavras bezeichnet das Vorgehen als "Zensur ohne Gleichen".
Das griechische Kulturministerium hat dem Druck der orthodoxen Kirche nachgegeben und eine Szene aus einem Video über die Geschichte der Akropolis herausgeschnitten. In dem Film des französisch-griechischen Regisseurs Constantin Costa-Gavras ("Z") der im neuen Akropolis Museum in Athen zu sehen war, wurden Menschen gezeigt, die wie orthodoxe Priester aussehen und Statuen und Bauelemente des Parthenon-Tempels (Jungfrauengemach) auf der Akropolis zerstören.
Der Zeitung "Eleftherotypia" zufolge begründeten die Behörden die Entfernung der Filmszene damit, dass Besucher durch die Darstellung "verärgert" worden seien. Gavras zeigte sich empört und sagte, er habe lediglich nachprüfbare historische Fakten dargestellt. Auch die größte Oppositionspartei PASOK kritisierte die Kürzung des Films.
Das Oberhaupt der orthodoxen Kirche Griechenlands, Erzbischof Ieronymos, hatte vergangene Woche nach einer Sitzung der Bischofssynode gefordert, das Video sofort aus dem Verkehr zu ziehen. "Ich bin zutiefst enttäuscht. Es ist eine Zensur ohne Gleichen", sagte Gavras im griechischen Radio.
"Tatsache ist Tatsache"
In dem Video wurde gezeigt, wie die Monumente auf der Akropolis in den vergangenen beiden Jahrtausenden gelitten haben. "Tatsache ist Tatsache. Geschichte ist Geschichte. Das war eben so und darf nicht verheimlicht werden", sagte Gavras weiter und teilte mit, er habe gefordert, dass sein Name aus den Titeln des Videos gestrichen wird. "Das ist nicht mehr mein Werk."
Zudem wurde in dem Film erklärt, ein anderes Kulturverständnis habe in der frühchristlichen Zeit zur Zerstörung zahlreicher Kunstobjekte der Antike geführt. Viele Bischöfe der orthodoxen Kirche seien wütend gewesen, als sie diese Szenen sahen, berichtete die Athener Presse.
In der frühchristlichen Zeit galten vor allem Statuen von Göttern der Antike als Gotteslästerung. Viele byzantinische Kirchen wurden mit Bauelementen von Statuenteilen und Marmorsäulen aus Tempeln der Antike gebaut.