Panorama

Dilemma des Ökotourismus'Klimafreundlich Fliegen?

07.03.2008, 16:30 Uhr

Die Reisebranche steht vor einem Problem: Am liebsten möchte sie ihre Umsätze steigern und möglichst viele Reisen an den Kunden bringen. Auf den "grünen" Anstrich will sie dabei jedoch nicht verzichten.

Die Reisebranche ist in der Zwickmühle: Einerseits will sie immer mehr Menschen an Traumstrände und in exotische Länder fliegen, andererseits sucht sie für ihr Geschäft ein umweltbewusstes Image. Zur weltgrößten Tourismusmesse ITB stellen viele Unternehmen daher den Klimaschutz ins Zentrum. Die Welttourismusorganisation UNWTO fordert die Branche auf, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Großes Thema sind in der Branche Klimaschutzabgaben, die Touristen als Ausgleich für die Umweltbelastung zahlen soll. So können TUI-Urlauber ab dem Winter bei der Buchung an die Organisation myclimate spenden, die Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern fördert. Beim Branchenzweiten Thomas Cook (Neckermann Reisen) gibt es Klimaschutz mit Hilfe der Organisation atmosfair, die etwa Solar- und Wasserkraftanlagen finanziert.

Weitgehend unbeachtetes Angebot

Doch ob die Projekte der Umwelt viel helfen, steht längst nicht fest. Es geht nur um das Gefühl, etwas Gutes zu tun, heißt es bei Kritikern. Der Präsident des Deutschen ReiseVerbands (DRV), Klaus Laepple, sagt: "Die ganze Kompensation ist eine Krücke." Nur wenige Fluggäste würden sich beteiligen.

Die Lufthansa bietet den Kunden seit vergangenem Jahr die Möglichkeit einer Klimaspende. Sie will allerdings nicht verraten, wie viele Fluggäste an dem Programm teilnehmen. Man werde "keine Wasserstände verkünden", so Konzernsprecher Andreas Bartels.

Wie viele auch immer sich beteiligen mögen: Ein Passagier verursacht auf einem Flug von Frankfurt nach Mallorca und zurück laut atmosfair immerhin eine Klimabelastung von 700 Kilo Kohlendioxid. "Diese Menge CO2 kann atmosfair für Sie in einem Klimaschutzprojekt für 17 Euro einsparen", verspricht die Organisation. Bei myclimate ist der Ausgleich für diese Verbindung ab 21 Euro zu haben. So hohe Abgaben wollen die Veranstalter ihren Kunden nicht vorgeben. "Es nützt ja nichts, wenn wir die reine Lehre predigen, aber am Ende nichts dabei herauskommt", sagt TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher.

Besser als nichts

Immerhin: Bei seiner Fluggesellschaft TUIfly hat der Konzern seit November positive Erfahrungen gemacht. 135.000 Euro seien seitdem für myclimate eingegangen, sagt Böttcher. Etwa jeder zwölfte Fluggast zahle für den Klimaschutz. Wobei dies noch nichts über die Höhe der Spende aussagt - allenfalls über den Stand des Bewusstseinswandels. "Es ist nicht so, dass die Kunden das Gefühl haben, sich mit der Abgabe freizukaufen", antwortet atmosfair-Gründer Dietrich Brockhagen Kritikern, die in dem System so etwas wie einen Ablasshandel sehen. Thomas-Cook-Mann Fankhauser sieht es nüchtern: "So groß das Interesse am Klimaschutz auch sein mag - konkrete Auswirkungen auf das Reiseverhalten konnten wir bisher nicht feststellen."

Dabei rechnet Boeing-Marketingdirektor Drew Magill damit, dass der Luftverkehr weltweit in den nächsten 20 Jahren im Schnitt um fünf Prozent pro Jahr wächst. Was bringt da eine Klimaabgabe? "Es ist klar, dass dem Klima besser geholfen wird, wenn weniger geflogen wird", sagt Brockhausen. Ansonsten müsse man eben Ausgleich schaffen. Die Bundesregierung hält Klimaabgaben daher für richtig. "Ich hoffe, dass es viele Nachahmer gibt", lobt die Parlamentarische Umwelt-Staatssekretärin Astrid Klug (SPD) die Initiativen. Energiesparprojekte in der Dritten Welt zu fördern, sei immer noch besser, als gar nichts zu tun.

Von Steffen Weyer, dpa-AFX