Panorama

Pilger auf Jesus' SpurenKreuzweg in Jerusalem

21.03.2008, 10:26 Uhr

Tausende Christen feiern die Karfreitagsprozession in Jerusalem. Aus Furcht vor Anschlägen hat Israel landesweit die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Tausende Pilger aus aller Welt haben in Jerusalem der Kreuzigung Christi gedacht. In der traditionellen Prozession schritten die Gläubigen in der Altstadt von Jerusalem den Leidensweg des Religionsstifters ab. Der Überlieferung zufolge ist Jesus vor rund 2000 Jahren mit der Last des Kreuzes die "Via Dolorosa" entlanggegangen, bevor er ans Kreuz geschlagen wurde und starb.

Traditionell schulterten Pilger am Karfreitag wieder Holzkreuze und trugen sie vom Löwentor im Osten der ummauerten Altstadt über die 14 Stationen des Kreuzweges bis zur Grabeskirche. Die letzten fünf Stationen einschließlich der Kreuzigungsstätte Golgatha liegen innerhalb der Grabeskirche. Einige Pilgergruppen liefen barfuß. An der dritten Station der "Via Dolorosa", wo Jesus der Überlieferung zufolge das erste Mal unter der Last des Kreuzes zusammengebrochen war, beteten die Gläubigen. Einige weinten oder wischten sich Tränen aus den Augen.

Geschichte von Tod und Auferstehung

Vor der offiziellen Prozession waren bereits viele Pilgergruppen aus aller Welt die enge Gasse in der Altstadt abgeschritten. "Es ist ein besonderes Erlebnis an dem Platz zu sein, an dem die Geschichte von Tod und Auferstehung spielt", sagte Alexander Schmidt von der Diozöse Freiburg. "Es geht auch darum, die Stimmung in der Stadt zu erleben. Wir suchen für uns auch Plätze, an denen wir zur Ruhe kommen können." Für das Berliner Ehepaar Irene und Rainer Nowack ist Jerusalem die letzte Station einer Rundreise. "Uns geht es um die Geschichte, um die Vielfalt der kirchlichen Konfessionen und das Zusammenleben", sagt Rainer Nowack. Ihn beschäftige vor allem die Frage, "warum Menschen, die von der selben Wurzel stammten, nicht zusammenfinden können".

Richard Pesqueira ist von San Francisco in Kalifornien extra nach Jerusalem gekommen. Der 70 Jahre alte Christ reist mit seiner Verlobten, einer Jüdin. "Wir haben so ein Glück, dass wir hier sein können. Die Geschichte bedeutet uns sehr viel. Das ist in Jerusalem etwas sehr Spezielles, sagt Pesqueira.

Jüdisches Karnevalsfest

Das christliche Osterfest fällt in diesem Jahr mit dem jüdischen Karnevalsfest Purim zusammen. Die orthodoxen Kirchen feiern den Karfreitag erst am 25. April.

Aus Furcht vor Anschlägen hat Israel landesweit die Sicherheitsvorkehrungen verschärft und die Palästinensergebiete bis Montag abgeriegelt. Die Sorge vor Attentaten während des Purim-Festes ist in diesem Jahr besonders hoch, weil das Fest mit dem Ende der 40-tägigen Trauerzeit für Emad Mughnija, den ehemaligen Kommandeur der schiitischen Hisbollah-Milizen im Libanon zusammenfällt. Obwohl sich bislang niemand zu dem Anschlag bekannt hat, gab die Hisbollah Israel die Schuld am Tod und droht seitdem mit Rache.