Panorama

Muttermord in Varel: Kriminologe spricht über mögliche Motive

Ein 14-jähriges Mädchen aus Varel soll ihre Mutter ermordet haben. Bundesweit erregt der Fall Aufsehen. Das liegt auch daran, dass Muttermorde sehr selten sind - und oft besonders rätselhaft. Was können die Motive für so eine Tat sein?

Varel ist eine beschauliche Kleinstadt in Friesland, die Polizei hat es hier eher selten mit Kapitaldelikten zu tun. Doch in der Nacht zu Montag fanden Polizisten im Ortsteil Büppel eine 39 Jahre alte Frau tot in ihrer Wohnung, umgebracht mit mehreren Messerstichen.

Die Tote wurde in der Wohnsiedlung von Büppel gefunden.
Die Tote wurde in der Wohnsiedlung von Büppel gefunden.(Foto: picture alliance / Ingo Wagner/d)

Unter Mordverdacht geriet schnell die 14-jährige Tochter, für sie wurde zusammen mit einem 15-jährigen Jungen Untersuchungshaft angeordnet. Dass Kinder oder Jugendliche ihre Eltern umbringen, das ist in Deutschland nach Einschätzung von Experten ein eher seltenes Verbrechen. Was können Motive für den Mord an der eigenen Mutter sein? "Manchmal geht es um gestörte romantische Liebe, manchmal um Geld", sagt Axel Petermann. Er hat als Profiler bei der Bremer Kriminalpolizei mehr als 1000 Tötungsdelikte untersucht. Sein Job: Aus Spuren zu schließen, wie die Täter ticken.

Aus Erfahrung weiß er: Verbotene Liebe und Geldnot sind nur zwei von vielen Gründen für sogenannte Parentizide, so das kriminologische Fachwort für den Elternmord. Ein weiteres Charakteristikum: Häufig handelt es sich um Täter, die in einer Art "Symbiose" mit den Eltern leben, sagt Petermann. "Oft sind es schwache Persönlichkeiten, die dem Druck nicht mehr standhalten, sich den Eltern gegenüber immer zurückzunehmen." Einheitliche Muster gebe es fast nie.

Wie oft eine Eltern-Kind-Beziehung derartig eskaliert, zählt keine Statistik. Kriminologen sind sich aber einig: "Muttermord ist ein sehr seltenes Phänomen", sagt Petermann. Einer der jüngeren weiteren Fälle in Deutschland ereignete sich im Januar vergangenen Jahres, als eine 17-Jährige in Laatzen bei Hannover ihre Mutter tötete.

Phänomen Muttermord uralt

Auch Thomas Bliesener hält Muttermorde für sehr selten. Ohnehin kämen Mord und Totschlag in Deutschland kaum vor, sagt der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover. Im vergangenen Jahr hätten bei Tötungsdelikten nur zehn Kinder bis 14 Jahre unter Tatverdacht gestanden. "Dass Jugendliche dann auch noch ihre Eltern umbringen, passiert fast nie", sagt Bliesener.

Dennoch ist das Phänomen Muttermord uralt. Einer der bekanntesten Fälle ist derjenige des Orestes. Laut griechischer Sage soll der Bruder der Iphigenie seine Mutter umgebracht haben. Er wollte sich an ihr dafür rächen, dass sie einst seinen Vater ermordet hatte. Meistens stellen Fälle von Muttermord die Ermittler vor viele Rätsel.

Auch im Fall der toten 39-Jährigen in Varel ist noch vieles unklar. Die Tochter und ihr 15-jähriger Freund sitzen in Untersuchungshaft, nachdem die Polizei die mutmaßliche Tatwaffe, ein Messer, in der Wohnung des Jungen gefunden hatte. Laut Staatsanwaltschaft Oldenburg wurde dem Jungen Blut abgenommen, um zu prüfen, ob er zur Tatzeit womöglich unter Drogeneinfluss stand. Angaben über mögliche Motive der beiden Jugendlichen machen weder die Staatsanwaltschaft noch die Polizei Friesland.

Quelle: n-tv.de

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