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Ein ganz besonderer "Kollege": Jakob Maria Mierscheid
Ein ganz besonderer "Kollege": Jakob Maria Mierscheid(Foto: picture-alliance/ dpa)

Riesenspaß im Bundestag: Lammert ehrt den faulsten Kollegen

Von Johannes Graf

Auf den Abgeordnetenbänken beömmeln sich Politiker jeglicher Couleur. Bundestagspräsident Lammert gratuliert einem Kollegen zum 80., den keiner jemals gesehen hat: Jakob Maria Mierscheid. Denn der SPD-Mann hat das Plenum in 34 Jahren Bundestagszugehörigkeit noch kein einziges Mal von innen gesehen.

Der Deutsche Bundestag hat heute seinem wohl außergewöhnlichsten Mitglied die Ehre erwiesen: dem SPD-Abgeordneten Jakob Maria Mierscheid. Parlamentspräsident Norbert Lammert eröffnete am Morgen die Sitzung mit den üblichen Glückwünschen zum Geburtstag und richtete nach Grüßen an die 77 Jahre gewordene Lukrezia Jochimsen auch das Wort an Mierscheid.

"Es gibt heute noch ein anderes bedeutendes Jubiläum: Jakob Mierscheid wird 80 Jahre alt", sagte er und erhielt Beifall von allen Fraktionen. Sogleich bemängelte er die Abwesenheit des "geschätzen, gelegentlich verzweifelt gesuchten Kollegen". Tatsächlich glänzt Mierscheid schon seit der Übernahme seines Mandats im Dezember 1979 durch Absenz.

Der Grund dafür ist einfach zu erklären: Jakob Maria Mierscheid existiert nicht. Der fiktive Parlamentarier wurde Ende der 70er Jahre von den beiden SPD-Politikern Peter Würtz und Karl Haehser bei einer launigen Runde im Bonner Bundeshaus erschaffen. Mit der Figur Mierscheid wollten sie erreichen, "die Abgeordneten von Zeit zu Zeit an das wahre Leben zu erinnern, was durchaus auch mal lustig sein darf".

Ein Mann mit Bart

Der Ulk unter zwei Kollegen entwickelte sich in der Folge zu einem fraktionsübergreifenden Running Gag. Immer wieder nehmen Politiker Bezug auf Mierscheid, in zahlreichen Bundestagsdrucksachen erscheint Mierscheid. Das hauseigene Verzeichnis der Mitglieder des Bundestages führt ihn ebenfalls und stellt seiner Biografie das einzige verfügbare Bild Mierscheids bei: das Porträt eines jungen Mannes mit charakteristischem Schnurrbart.

Auf den Fluren des Reichstags sucht man Mierscheids Gesicht freilich vergebens. Und auch an seinem Jubeltag ließ er sich "aus zwingenden Gründen entschuldigen", wie Lammert unter dem Gelächter des Plenums bekanntgab. Der CDU-Politiker fügte hinzu: "… was vermutlich die Spekulationen befördern wird, es gäbe ihn gar nicht."

Einen heben mit Dräcker und Nagelmann?

Zum Gegenbeweis rekurrierte Lammert auf die bedeutendste Leistung des Pfälzers, das Mierscheid'sche Gesetz "über den Zusammenhang von deutscher Rohstahlproduktion und Wahlergebnissen der SPD", und schloss mit der Hoffnung, "dass uns der Kollege Mierscheid auch in der nächsten Legislaturperiode erhalten bleibt".

Glückwünsche erhielt Mierscheid auch von der Spitze seiner Fraktion, von Frank-Walter Steinmeier höchstpersönlich. Auch Steinmeier ließ in einer Pressemitteilung vermuten, dass Mierscheid sich auch an seinem 80. nicht würde blicken lassen. Vielmehr hält er es für möglich, dass er "sich mit seinen Kumpanen Edmund F. Dräcker vom Auswärtigen Amt und Friedrich G. Nagelmann vom Bundesverfassungsgericht etwas Wesensgemäßes Geistiges genehmigen und dabei ins Fäustchen lachen" werde. Aber das mit den Herren Dräcker und Nagelmann ist dann eine ganz andere Geschichte.

Quelle: n-tv.de

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