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Die frühere Lufthansa-Maschine "Landshut" steht zur Demontage auf dem Flughafen in Fortaleza (Brasilien).
Die frühere Lufthansa-Maschine "Landshut" steht zur Demontage auf dem Flughafen in Fortaleza (Brasilien).(Foto: dpa)
Sonntag, 17. September 2017

1977 von Terroristen entführt: "Landshut"-Maschine kommt zerlegt zurück

Vor 40 Jahren wird die Lufthansa-Maschine "Landshut" von Terroristen entführt. Später landet sie in Brasilien, wo sie seit zehn Jahren verrottet. Nun kommt die Boeing 737 nach Friedrichshafen am Bodensee. Sie wird in Einzelteilen von zwei russischen Frachtmaschinen hergebracht.

Die frühere Lufthansa-Maschine "Landshut", die 1977 während des Deutschen Herbstes entführt worden war, soll laut einem Medienbericht am Samstag kommender Woche im baden-württembergischen Friedrichshafen eintreffen. Zwei russische Frachtmaschinen würden die in wenige Teile zerlegte Boeing 737 aus Brasilien nach Friedrichshafen bringen, berichtete der Rundfunksender SWR. Die historische Maschine hatte jahrelang flugunfähig im brasilianischen Fortaleza gestanden.

Einzelteile der "Landshut" in Fortaleza. Die Rückholung der Maschine gestaltet sich zum Teil schwieriger als erwartet. 
Einzelteile der "Landshut" in Fortaleza. Die Rückholung der Maschine gestaltet sich zum Teil schwieriger als erwartet. (Foto: dpa)

Zunächst lande am kommenden Samstag um 9.00 Uhr eine Maschine vom Typ Antonow AN 124 mit dem Rumpf der "Landshut", hieß es in dem SWR-Bericht. Die zweite, kleinere Frachtmaschine vom Typ Iljuschin 76 solle um 13.00 Uhr mit Flügeln und Leitwerk der historischen Maschine eintreffen. Der Transport sei mit großem logistischen Aufwand verbunden. So müsse die Antonow zum Auftanken auf den Kapverdischen Inseln zwischenlanden.

Das Auswärtige Amt hatte das Flugzeug im Mai für umgerechnet 20.000 Euro erworben. Es soll künftig auf dem Gelände des Dornier Museums für Luft- und Raumfahrt in Friedrichshafen am Bodensee ausgestellt werden. Das Vorhaben wird zum Teil aus Bundesmitteln finanziert.

Ziel: Freipressung von RAF-Terroristen

Deutsche Lufthansa-Techniker bauen das Flugzeug in Fortaleza auseinander.
Deutsche Lufthansa-Techniker bauen das Flugzeug in Fortaleza auseinander.(Foto: REUTERS)

Die "Landshut" war im Oktober 1977 von palästinensischen Terroristen entführt worden, die inhaftierte RAF-Terroristen freipressen wollten. Im Zuge der Geiselnahme und eines mehrtägigen Irrflugs wurde der Flugkapitän Jürgen Schumann erschossen.

Am 18. Oktober stürmte das deutsche Anti-Terrorkommando GSG9 die "Landshut" in der somalischen Hauptstadt Mogadischu und befreite alle Passagiere und überlebenden Besatzungsmitglieder, drei Terroristen wurden getötet. Nur Stunden später begingen die RAF-Häftlinge Andreas Baader, Gudrun Ennslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis von Stuttgart-Stammheim Suizid, wenig später erschossen RAF-Terroristen Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, der gut fünf Wochen zuvor verschleppt worden war.

Historischer Wert war TAF unbekannt

Nach der Befreiung nutzte die Lufthansa die Maschine noch einige Jahre, bevor sie 1985 verkauft wurde und mehrfach den Besitzer wechselte. Zuletzt gehörte sie der brasilianischen Fluggesellschaft TAF, die das Flugzeug 2002 kaufte - offenbar ohne zu wissen, welchen historischen Wert es hat. Seit gut zehn Jahren verrottete die "Landshut" auf dem Flughafen von Fortaleza.

Nach SWR-Informationen soll es Interessierten ermöglicht werden, bei der Entladung der "Landshut" in Friedrichshafen zuzuschauen. Das Dornier Museum veranstalte aus diesem Anlass am kommenden Samstag einen Tag der offenen Tür, hieß es.

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Quelle: n-tv.de

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