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Samstag, 11. Juli 2009

Juden zu Tode gequält: Lange Haft für "Barbarenbande"

Bandenchef Fofana zeigte keine Reue.

Bandenchef Fofana zeigte keine Reue.
(Foto: dpa)

Im Prozess um die Entführung und brutale Ermordung eines jungen Juden in Paris ist der Anführer der sogenannten Barbarenbande zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Pariser Gericht verurteilte zudem 24 Komplizen des Bandenchefs zu Haftstrafen zwischen einem halben Jahr und 18 Jahren. Die Folterung und Ermordung des 23-jährigen Juden Ilan Halimi hatte in Frankreich die Angst vor zunehmenden Antisemitismus verstärkt.

Von seiner lebenslangen Haft soll der 28-jährige Bandenanführer Youssouf Fofana laut Gerichtsurteil 22 Jahre lang in Sicherheitsverwahrung verbringen. Von den 26 übrigen Angeklagten wurden zwei freigesprochen, die übrigen erhielten Haftstrafen zwischen sechs Monaten und 18 Jahren. Der aus der Elfenbeinküste stammende Fofana hatte während des Prozesses zugegeben, den von seiner Bande entführten Juden Ilan Halimi tödliche Verletzungen beigebracht zu haben.

Dem Anwalt der Opferfamilie, Francis Szpiner, gehen die Urteile nicht weit genug.

Dem Anwalt der Opferfamilie, Francis Szpiner, gehen die Urteile nicht weit genug.
(Foto: AP)

Der Anwalt der Familie Halimi forderte die Staatsanwaltschaft auf, gegen die Urteile für einige Bandenmitglieder Berufung einzulegen. "Ich bedaure es, dass das Gericht ein besonderes Entgegenkommen gegenüber denen gezeigt hat, die Youssouf Fofana geholfen oder ihm zugesehen haben", erklärte Francis Spizner. Halimis Familie falle es schwer, die Urteile zu akzeptieren. Spizner nannte konkret die Haftstrafen zwischen zehn und 15 Jahren für sechs Bewacher Halimis sowie die neunjährige Haftstrafe für eine zur Tatzeit 17-Jährige, die Halimi in die Falle der Entführer gelockt hatte. Spizner rief die französische Justizministerin Michèle Alliot-Marie auf, sich für ein Wiederaufrollen des Prozesses stark zu machen.

450.000 Euro Lösegeld gefordert

Fofanas Truppe, die sich selbst "Barbarenbande" nannte, hatte den 23-jährigen Telefonverkäufer Halimi im Januar 2006 entführt, um von dessen Familie Lösegeld zu erpressen. Mitangeklagte hatten ausgesagt, Fofana habe gezielt einen Juden entführen wollen, weil diese für gewöhnlich "massenweise Kohle" hätten. Der Bandenchef forderte von Halimis Eltern 450.000 Euro Lösegeld, die Polizei riet aber von einer Zahlung ab.

Um den Druck zu erhöhen, misshandelten die Entführer ihr Opfer während dessen dreiwöchiger Gefangenschaft und schickten Audio- und Videoaufnahmen an die Familie. Halimi wurde mit Schlägen, brennenden Zigaretten und Messern gequält. Selbst einige Bewacher konnten die Misshandlungen schließlich nicht mehr mitansehen und wurden durch andere Bandenmitglieder ersetzt. Mit dem Tode ringend wurde das Entführungsopfer schließlich nackt und geknebelt an einer Bahnstrecke in Essonne im Großraum Paris gefunden. Auf dem Weg ins Krankenhaus erlag Halimi seinen Verletzungen.

Anklage: Antisemitische Motive

Die grausame Tat hatte Frankreich erschüttert.

Die grausame Tat hatte Frankreich erschüttert.
(Foto: REUTERS)

Die Anklage hatte den Bandenmitgliedern antisemitische Motive vorgeworfen. Die grausame Tat hatte die französische Gesellschaft schockiert. Fofana zeigte keinerlei Reue. Zu Prozessbeginn vor zweieinhalb Monaten betrat er lächelnd den Gerichtssaal und rief mit gen Himmel gereckter Faust "Allah wird siegen". Bei der Überprüfung der Personendaten nannte er als Namen "afrikanischer Barbar" und als Geburtsdatum den 13. Februar 2006, den Tag, an dem Halimi leblos gefunden wurde. Nach der Urteilsverkündung klatschte Fofana.

Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil zwei der Angeklagten zur Tatzeit minderjährig waren. Halimis Mutter hatte eine öffentliche Verhandlung verlangt. Sie warf der französischen Polizei vor, den antisemitischen Hintergrund der Tat zu lange ignoriert zu haben.

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