Wer ist Schuld an der Katastrophe? Loveparade-Gutachter erhebt Vorwürfe

Mehr als 20 Menschen kamen bei der Massenpanik während der Loveparade in Duisburg ums Leben. Die Staatsanwaltschaft sucht noch immer nach Verantwortlichen für das Unglück. Ein offizielles Gutachten fällt nun ein vernichtendes Urteil.
Der britische Panik-Forscher Keith Still erhebt nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" in einem Gutachten zur Loveparade-Katastrophe in Duisburg schwere Vorwürfe. Mit dem von der Stadt genehmigten Konzept sei es nicht einmal theoretisch möglich gewesen, den Umzug gefahrlos durchzuführen, berichtete die Zeitung. Ein Sprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft wollte den Bericht nicht kommentieren.
Still, Professor für Massendynamik und Massenmanagement, ist von der Staatsanwaltschaft mit der Untersuchung der Katastrophe beauftragt. Der Experte schreibt in seinem fast 90-seitigen Gutachten, die Verantwortlichen hätten vorher nicht einmal die erwarteten Besucherströme addiert. Schon mit einfachen Berechnungen hätte man feststellen können, dass die Rampe auf dem Veranstaltungsgelände für die erwartete Besucherzahl viel zu klein gewesen sei.
Bei dem Technofest in der Ruhrgebietsstadt waren am 24. Juli 2010 21 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 500 wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 15 Beschuldigte, darunter Mitarbeiter der Stadt Duisburg. Anklage hat die Behörde bisher nicht erhoben.