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"Das Flugzeug war in hervorragendem technischen Zustand": Carsten Spohr.
"Das Flugzeug war in hervorragendem technischen Zustand": Carsten Spohr.(Foto: picture alliance / dpa)

Germanwings muss Flüge streichen: Lufthansa-Chef hofft auf schnelle Aufklärung

Die größte deutsche Fluggesellschaft erlebt ihren bislang "schwärzesten Tag": Die Lufthansa - Konzernmutter von Germanwings - verliert zum ersten Mal überhaupt eine Passagiermaschine im Reiseflug. Über die Unfallursache will Konzernchef Spohr nicht spekulieren. Zugleich äußert er Verständnis für Crew-Mitglieder, die am Tag nach dem Unglück nicht fliegen wollen.

Der Absturz eines nahezu voll besetzten Passagierflugzeugs vom Typ Airbus A320 der Fluggesellschaft Germanwings trifft die Deutsche Lufthansa mit voller Wucht. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach vom "schwärzesten Tag in der 60-jährigen Geschichte unseres Unternehmens".

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Erstmals habe die Lufthansa ein Flugzeug im Reiseflug verloren, erklärte Spohr bei einer Pressekonferenz am Konzernsitz in Frankfurt am Main am Abend des Unglückstages. Für Aussagen über die mögliche Absturzursache sei es zu früh, betonte Spohr. "Wir wollen und werden uns nicht an Spekulationen beteiligen."

Spohr zeigte Verständnis dafür, dass einzelne Crews sich unter dem Eindruck des Unglücks nicht in der Lage sähen, am Mittwoch zu fliegen. Deshalb würden Flüge ausfallen, bestätigte Spohr. "Wir werden so schnell es geht wieder zu einem vollständigen Flugbetrieb zurückkehren. Das ist für mich aber jetzt erst einmal zweitrangig", sagte der Lufthansa-Chef. Berichten zufolge mussten bei Germanwings nach dem Absturz aufgrund Personalmangels rund 30 Verbindungen kurzfristig annulliert werden.

Flugschreiber bereits gefunden

Spohr rechnet mit raschen Erkenntnissen über die Ursache des Absturzes des Germanwings-Fluges in Frankreich. Er sei sehr froh, dass der erste Flugschreiber schon gefunden wurde, sagte er. "Ich gehe davon aus, dass wir sicherlich relativ schnell erste Informationen bekommen werden, was die Absturzursache wahrscheinlich war. Die detaillierte Auswertung wird dann länger dauern", erklärte er.

Kein leichter Gang für einen Airline-Chef: Das Leid und die Trauer der Angehörigen lasten schwer auf allen Beteiligten.
Kein leichter Gang für einen Airline-Chef: Das Leid und die Trauer der Angehörigen lasten schwer auf allen Beteiligten.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Reparatur des abgestürzten Airbus A320 am Tag vor der Katastrophe hat seiner Überzeugung nach nichts mit dem Absturz zu tun. Spohr schloss nach seiner Rückkehr vom Unglücksort nach Frankfurt am Dienstagabend aus, dass die Wartung der Germanwings-Maschine am Montag in Düsseldorf etwas mit der Absturzursache zu tun haben könnte. Dabei sei es nur um die Geräuschbelastung gegangen, und nicht um Sicherheitsrelevantes.

Probleme am Bugrad

Eine Lufthansa-Sprecherin hatte zuvor erklärt, ein Problem an der Klappe für das Bugrad sei am Montag routinemäßig behoben worden. "Das Flugzeug war in hervorragendem technischen Zustand", versicherte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende. Über die Piloten der Unglücksmaschine sagte er: "Wir hatten die Kompetenz im Cockpit, für die unser Unternehmen steht." Die Germanwings-Piloten würden auch bei Lufthansa ausgebildet, und der Pilot habe mehr als 6000 Flugstunden gehabt, darunter den größten Teil im Airbus A320.

Bei der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit äußerten sich Sprecher bestürzt über den Absturz des Germanwings-Jets in den französischen Alpen. "Wir trauern gemeinsam mit den Hinterbliebenen um die Opfer. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt allen Angehörigen, Freunden und Bekannten der Passagiere und der Besatzung", teilte die Gewerkschaft mit. "Wir sind tief erschüttert, unsere Gedanken sind bei den Angehörigen."

Piloten lehnen Spekulationen ab

Da im Augenblick keine ausreichenden Informationen über das Unglück bekannt sind, lehnte Cockpit Stellungnahmen zum Unfallhergang und zur Unfallursache ab. "Wir appellieren an die Öffentlichkeit, sich mit Spekulationen zurückzuhalten,  da diese besonders schmerzhaft für die Hinterbliebenen und einer objektiven Unfalluntersuchung nicht dienlich sind", sagte Jörg Handwerg, Pressesprecher der Vereinigung Cockpit.

Die Gewerkschaft bot allen an der Unfalluntersuchung Beteiligten an, "aktiv mit Hilfe ihrer Experten die Unfalluntersuchung zu unterstützen, um durch die dadurch gewonnenen Erkenntnisse die Sicherheit im Luftverkehr weiter zu verbessern."

Cockpit setzt Arbeitskampf aus

Unter dem Eindruck des Unglücks zieht die Gewerkschaft der Piloten die geltende Streikdrohung im Tarifstreit mit der Deutschen Lufthansa zurück. "Der Arbeitskampf ist für uns aktuell kein Thema mehr", sagte Cockpit-Sprecher Handwerg dem "Tagesspiegel" laut Vorabbericht. Nach der Absturzkatastrophe "reden wir über ganz andere Themen".

Bis zum Wochenende hatten die Piloten die Lufthansa noch vier Tage hintereinander bestreikt. Bei dem Absturz eines Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings in den französischen Alpen waren bisherigen Erkenntnissen zufolge 144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder an Bord. Es gibt nach Einschätzung von Rettungskräften vor Ort keine Hoffnung auf Überlebende.

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Quelle: n-tv.de

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