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Riesiger Mafia-Prozess beginnt: Immer wieder schaffen es die Clans, mit von ihnen kontrollierten Unternehmen große Bauaufträge an Land zu ziehen.
Riesiger Mafia-Prozess beginnt: Immer wieder schaffen es die Clans, mit von ihnen kontrollierten Unternehmen große Bauaufträge an Land zu ziehen.(Foto: dpa)

Erfolgsmodell 'Ndrangheta: Mafia-Prozess gegen bekannten Fußballer

Es ist der bisher größte Mafia-Prozess im Norden Italiens: 147 Angeklagte müssen sich vor Gericht verantworten. Darunter Beamte, Politiker, Handwerker, Unternehmer, Journalisten - und ein Fußballweltmeister.

Fußballprofi Vincenzo Iaquinta war dabei, als der italienische Fußball 2006 seine vorerst letzte Sternstunde erlebte und den WM-Pokal holte. Jetzt muss sich der 36-jährige Ex-Stürmer in einem dunklen Kapitel der italienischen Kriminalitätsgeschichte vor Gericht verantworten.

Vincenzo Iaquinta wurde 2006 mit Italien Fußball-Weltmeister.
Vincenzo Iaquinta wurde 2006 mit Italien Fußball-Weltmeister.(Foto: dpa)

Der bislang größte Mafia-Prozess Norditaliens begann mit großem öffentlichem Interesse. Insgesamt 147 Angeklagte müssen sich seit Mittwoch vor einem Gericht in Reggio Emilia verantworten. Bei einem der größten Schläge der italienischen Polizei gegen die ’Ndrangheta im Januar 2015 wurde neben dutzenden Verdächtigen auch Iaquintas Vater Guiseppe festgenommen.

Bei der Hausdurchsuchung entdeckten die Ermittler zwei Pistolen bei dem Bauunternehmer, die auf den Namen des berühmten Sohns registriert waren. Weil dem Vater wegen seiner Nähe zur kalabrischen Mafia bereits zuvor der Besitz von Waffen untersagt worden war, wurde fortan auch gegen Iaquinta junior ermittelt.

Iaquinta kennt keine 'Ndrangheta

Noch vor wenigen Tagen verteidigte sich der Ex-Fußballer in einem Interview mit der Regionalzeitung Il Resto del Carlino gegen die Vorwürfe: "Ich weiß doch gar nicht, was die 'Ndrangheta überhaupt ist!" Auch Vater Giuseppe Iaquinta wies bislang alle Vorwürfe zurück. Laut Staatsanwaltschaft entwickelten die Bosse ein raffiniertes System zur Abschöpfung von Bauaufträgen nach den Erdbeben.

Das Verfahren in einem eigens neu gebauten Gerichtssaal begann unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Zunächst ging es hauptsächlich um Verfahrensfragen, wie italienische Medien berichteten. Im Visier der Justiz steht die kalabrische Mafia 'Ndrangheta, die mehr und mehr auch im Norden des Landes aktiv wird.

Mit den beiden prominenten Angeklagten stehen zahlreiche Verdächtige vor Gericht, darunter Beamte, Politiker, Handwerker, Unternehmer und Journalisten.

Insgesamt 29 von ihnen waren beim Prozessauftakt in dem neuen Hochsicherheits-Saal anwesend. Einige weitere Angeklagte, die bereits in Haft sitzen, wurden per Video zugeschaltet. Zu den Anklagepunkten zählen vor allem klassische Mafia-Verbrechen wie Mord, Geldwäsche, Erpressung, Korruption und Stimmenverkauf bei Kommunalwahlen.

Quelle: n-tv.de

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