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Eren T. verfolgte den Prozess äußerlich ungerührt.
Eren T. verfolgte den Prozess äußerlich ungerührt.(Foto: picture alliance / dpa)

Schwangere angezündet: Maria P.s Mörder kannten keine Gnade

Von Solveig Bach

Vor über einem Jahr wurde die schwangere Maria P. in einem Wald bei Berlin angezündet. Auch im Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Täter bleibt die brutale Tat letztlich unerklärt. Nun fällt das Urteil.

Maria P. starb am 22. Januar 2015 in einem Waldstück im Berliner Ortsteil Adlershof. Sie war im achten Monat schwanger, von Eren T., einem ihrer mutmaßlichen Mörder. Der Tod der 19-Jährigen erschütterte selbst die erfahrenen Ermittler der Berliner Mordkommission. Die junge Frau wurde bei der Tat offenbar festgehalten, zweimal mit einem Brotmesser in den Bauch gestochen und dann bei lebendigem Leib angezündet.

Im Prozess gegen Eren T. und seinen Mitangeklagten Daniel M. sagte ein Brandsachverständiger aus, dass Maria noch versucht hatte, ihre brennende Jacke auszuziehen, bevor sie zusammenbrach und unter "unsäglichen Qualen" starb. Das ungeborene Kind in ihrem Bauch erstickte. In seinem Plädoyer bemerkte Staatsanwalt Martin Glage, das kleine Mädchen habe die schwarzen Locken seines Vaters gehabt.

Beide Angeklagte waren wenige Stunden nach dem Mord unabhängig voneinander zur Polizei gegangen. Eren T. meldete Maria als vermisst und gab zu Protokoll, Daniel M. sei mit ihr in einem Kleintransporter plötzlich weggefahren. Er befürchte, dass Daniel M. der hochschwangeren Freundin etwas angetan haben könnte. Daniel M. sagte aus, dass er gesehen habe, wie Eren T. in der "Köllnischen Heide" auf die schwangere Maria P. mit einem Messer eingestochen und sie anschließend mit Benzin übergossen habe. Im Prozess haben beide zur Tat geschwiegen, bis zuletzt.

Schuldig oder doch nicht?

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten gemeinschaftlich handelten. Eren T.s Motiv sei gewesen, Maria P. zu töten, weil sie von ihm schwanger war und er dieses Kind auf keinen Fall wollte. Sein früherer Mitschüler Daniel M. habe Eren T. bei dem Mord geholfen. Besonders perfide: T. soll der eigentlich bereits von ihm getrennten Maria vorgegaukelt haben, er wolle nun doch mit ihr und dem Kind zusammen leben. Unter einem Vorwand lockten beide Männer Maria in den Wald, schlugen sie dort nieder, stachen auf sie ein und zündeten sie schließlich an. So sieht es die Staatsanwaltschaft und fordert die im Jugendrecht höchstmögliche Strafe, 15 Jahre.

Die Verteidiger der beiden betonen hingegen, dass für sie eine Tötungsabsicht nicht ausreichend bewiesen ist. Marias Tod könnte ihnen zufolge auch ein Unfall gewesen sein, T. und M. hätten der jungen Frau lediglich einen Schrecken einjagen wollen. Es sei völlig unklar, "wer am Tatort warum war und was gemacht hat", argumentierten sie. Nach dem Grundsatz "in dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten" seien ihre Mandanten freizusprechen.

T. beschreiben die psychiatrischen Gutachten als Kronprinz seiner Familie, der einzige Sohn nach vier Töchtern. Seine Zeugnisse waren schlecht, mehrfach musste er die Schule wechseln, fing eine Ausbildung an und brach sie wieder ab, jobbte mal hier, mal da. Zwischendurch bewarb er sich bei der Polizei, weil ihn nach eigener Aussage Recht und Ordnung interessierten, erschien dann aber nicht zum Vorstellungsgespräch. Das Auffälligste an ihm sei seine Unauffälligkeit, schrieb die Gutachterin. M. ist dagegen alles andere als unauffällig, deutlich bulliger, die Arme tätowiert, polizeibekannt wegen Körperverletzung und unerlaubten Waffenbesitzes. Auch M. ist ohne Beruf, seinen Ausbildungsplatz hatte er verloren, nachdem er einem Mitlehrling die Haare angezündet hatte. Dafür ist er schon zweifach das, was Eren T. nicht werden wollte, Vater.

Hass, Verachtung und Verrohung

Jede Bluttat ist auf ihre Weise unverständlich, für den Mord an Maria P. gilt das trotzdem in besonderem Maße. Der Fall ist nur nachzuvollziehen, wenn man einen Blick in die Parallelgesellschaften wirft, wie sie in Berlin existieren. Es sind Strukturen, in denen junge Männer kaum Verantwortung für ihr Tun übernehmen müssen, und sich trotzdem an für Außenstehende kaum nachvollziehbare Regeln halten müssen. Eren T. wollte das Kind nicht, seine Familie störte sich zudem wahrscheinlich daran, dass Maria P. eine Deutsche war. Sie kannten die junge Frau nicht einmal. Konflikte wurden kaum besprochen, T.s Eltern sollen monatelang von der Schwangerschaft nichts geahnt haben. Ein Brief des Jugendamts, in dem er aufgefordert wurde, die Vaterschaft anzuerkennen, brachte ihn dann wohl auf den Plan, die Geburt des Kindes unter allen Umständen zu verhindern.

Daniel M. hatte er sich dafür als "Mitvollstrecker" ausgesucht. M. hatte schon früher im Freundeskreis geäußert, er wolle "mal einen Menschen sterben sehen". Bei M. geht die Staatsanwaltschaft auch von "Mordlust" als Motiv aus. Er habe dem Bekannten einerseits helfen wollen, andererseits aber die Tat "zu seinem Vergnügen verübt", so der Staatsanwalt.

Am Ende bestätigt sich wohl, was die Ermittler schon in ihrer ersten Einschätzung der Tat sagten. Es müsse viel Hass, Verachtung und Verrohung im Spiel gewesen sein. Von einem "abwertenden Frauenbild" sprechen die Gutachter. Maria P. wurde in einem Akt "bestialischer Form der Machtausübung" getötet. Und das Gericht muss nun entscheiden, ob und wie Eren T. und Daniel M. dafür büßen müssen.

Quelle: n-tv.de

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