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Die Welt geht nicht unter: Maya-Double begrüßen neue Ära

Vor Tempeln in etlichen Ländern Südamerikas heißt das Volk der Maya eine neue Ära willkommen. So sieht es zumindest aus. Tatsächlich handelt es sich bei den flötenspielenden Tänzern mitunter um Schauspieler. Echte Maya in Guatemala fühlen sich ausgegrenzt.

Einer von vielen Schauspielern vor der Ruine von Tikal in Guatemala.
Einer von vielen Schauspielern vor der Ruine von Tikal in Guatemala.(Foto: dpa)

Der Weltuntergang ist ausgeblieben: Während Esoteriker die Apokalypse erwarteten, zog die Prophezeiung vielerorts vor allem Schaulustige an. An der Ruine von Tikal in Guatemala versammelten sich vor tausenden Zuschauern Dutzende vermeintliche Maya-Priester zum Sonnenaufgang, um mit der Begrüßung der ersten Sonnenstrahlen den Beginn einer neuen Ära zu feiern.

Rund 3000 Menschen wohnten dem Spektakel in Tikal bei. Allerdings handelte es sich bei den Priestern, die zu melancholischen Panflötenklängen tanzten um Schauspieler. Echte Maya fühlen sich ausgegrenzt.

"Eine neue Morgendämmerung"

Große Show am Vorabend der "Apokalypse" an der Ruine von Tikal.
Große Show am Vorabend der "Apokalypse" an der Ruine von Tikal.(Foto: dpa)

Als die ersten Sonnenstrahlen durch die Baumkronen fielen, entzündeten die Maya-Double Feuer. Mit der Zeremonie sollte der an diesem Tag beginnende Maya-Kalenderzyklus von 5200 Jahren gefeiert werden. Als Ehrengäste nahmen Guatemalas Präsident Otto Pérez und seine Kollegin aus Costa Rica, Laura Chinchilla, an der Zeremonie teil.

Die Feiern zum Ende des vorangegangenen 5200 Jahre umfassenden Zeitzyklus hatten in Tikal am Donnerstagabend mit traditionellen Tänzen vor der großen Pyramide begonnen. Der Platz vor der Pyramide war speziell beleuchtet. Während der Feier beteten die "Priester" für Einheit, Frieden und ein Ende von Diskriminierung und Rassismus. Zudem äußerten sie in ihren Gebeten die Hoffnung, dass die beginnende neue Epoche von 5200 Jahren eine "neue Morgendämmerung" bedeute.

Friedensnobelpreisträgerin kritisiert Sensationsgier

Maya oder Maya-Doubles begrüßen die neue Ära in Bolivien.
Maya oder Maya-Doubles begrüßen die neue Ära in Bolivien.(Foto: REUTERS)

Die Maya machen in Guatemala 40 Prozent der 14,3 Millionen Einwohner aus, leben aber häufig unter ärmlichen Bedingungen. Tikal liegt 550 Kilometer nördlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt. Gegen die offizielle Feier in Tikal hatten schon am Donnerstag rund 200 Ureinwohner Guatemalas protestiert. Das Maya-Volk habe nicht an dem Ereignis teil, erklärte der Chef der Vereinigung der Indigenen Organisationen von Petén, José Cac. Es handele sich um eine "rassistische und diskriminierende Feier", von der die Maya ausgegrenzt würden. Die Feiern seien sensationsgierig organisiert worden, beklagte die guatemaltekische Friedensnobelpreisträgerin und Maya-Vertreterin Rigoberta Menchú.

Auch in Belize, Honduras und El Salvador gab es etliche Veranstaltungen zum neuen Maya-Zeitalter – an denen Medienberichten zufolge aber auch viele echte Maya teilnahmen. In Bolivien veranstaltete Staatschef Evo Morales eine Zeremonie auf der Sonneninsel des Titicaca-Sees, bei dem ein rituelles Mahl mit Lama-Fleisch und Quinoa serviert wurde.

"Neuronale Vernetzung der Menschheit"

Die Zeremonien lockten vor allem Touristen an.
Die Zeremonien lockten vor allem Touristen an.(Foto: dpa)

Im Südosten Mexikos strömten schon in der Nacht Hunderte Menschen zur Maya-Ruinenstätte Chichén Itzá, um bei Sonnenaufgang zu feiern. Viele Einheimische und Touristen kamen barfuß, in weißer Kleidung und mit einer Kerze in der Hand. "Ich bin froh, das hier miterleben zu dürfen und neue Energie tanken zu können", sagte eine Urlauberin aus den USA

Maya-Indios mit Kopfschmuck und Lendenschurz versammelten sich ebenfalls in der Ruinenstadt, um mit spirituellen Tänzen die 13. Periode ihres Kalenders zu verabschieden.

"Ja, wir sind am Leben"

Der Maya-Schamane Ac Tah führte in Chichén Itzá eine Gruppe von 60 Menschen aus verschiedenen Ländern an, die mit der angeblich vorhandenen Energie des Zeitwandels in der archäologischen Stätte eine "neuronale Vernetzung der Menschheit" bewirken wollten.

Die Verantwortlichen der imposanten Stätte auf der Halbinsel Yucatán hatten die Zugänge zu dem Gelände schon zwei Stunden früher als sonst geöffnet.

In Ek Balam, wo die Maya-Pyramide der Unterwelt steht, versammelten sich rund 2000 Maya-Geistliche, um gemeinsam den Sonnenaufgang zu erleben. In Mérida, der Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán, wurde dagegen heftig auf den Straßen und in Bars gefeiert.

Der zeitliche Schnitt im Maya-Kalender gab Esoterikern in aller Welt Anlass zur Annahme, die Welt würde untergehen. Viele suchten Zuflucht an als sicher geltenden "mystischen" Orten. Aus Australien, einem der ersten Länder, in dem der 21. Dezember anbrach, teilte die Tourismusbehörde dagegen nüchtern via Online-Netzwerks Facebook mit: "Ja, wir sind am Leben."

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Quelle: n-tv.de

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