Panorama

Streit um Musik in Brüssels U-Bahn: Metro wird zweisprachig beschallt

Im zweisprachigen Brüssel wollen U-Bahn-Nutzer in den Bahnhöfen nicht nur französische, sondern auch flämische Musik hören. Da entschließen sich die Brüsseler Verkehrsbetriebe, gleich beide Sprachen aus dem Musikprogramm zu nehmen. Nun schreitet die um Versöhnung bemühte Verkehrsministerin ein.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In Brüssels U-Bahnhöfen sollen wieder Lieder in den Landessprachen Französisch oder Flämisch erklingen. Verkehrsministerin Brigitte Grouwels kündigte auf ihrer Internetseite an, den Sprachenstreit in der U-Bahn zu entschärfen. Sie werde die Brüsseler Verkehrsbetriebe Stib anweisen, Regeln für ein ausgewogenes Programm mit französisch- und flämischsprachiger Musik zu erarbeiten. Auch den belgischen Künstlern müsse die Gelegenheit gegeben werden, sich einem großen Publikum zu präsentieren, schrieb Grouwels. Sie reagierte damit auf einen Streit, der sich an Medienberichten entzündet hatte, dass die Verkehrsbetriebe ihre 69 U-Bahnhöfe nur noch mit englischen, italienischen und spanischen Songs beschallen.

Zu der Verbannung selbst der Lieder des belgischen Ausnahme-Chansonniers Jacques Brel aus den U-Bahnhöfen hatten Beschwerden von Fahrgästen geführt. Die Fahrgäste hatten auch flämischsprachige Lieder gefordert. Mangels genügend flämischer Hits verzichteten die Verkehrsbetriebe sowohl auf Französisch als auch auf Flämisch. Stattdessen sollten die Bahnhöfe der Metro künftig tagsüber ausschließlich mit englischen, italienischen und spanischen Songs beschallt werden, ab neun Uhr abends wird ohnehin klassische Musik gespielt. Flämische und frankophone Künstler sollten nur noch auf Englisch gespielt werden.

Der Musik-Streit ist ein weiteres Kapitel im Endlos-Konflikt zwischen französischsprachigen und flämischen Belgiern. Die Hauptstadt ist zwar offiziell zweisprachig, wird aber de facto von den Frankophonen dominiert. Ein Streit um Regeln zur Verwendung der Sprachen stand auch am Anfang der Regierungskrise, die Belgien seit April 2010 belastet. Neben Frankophonen und Flamen hat das Land im Osten eine kleine deutschsprachige Minderheit.

Quelle: n-tv.de

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