Panorama

"Sadistisch-perverser Täter"Mircos Mörder voll schuldfähig

23.09.2011, 12:50 Uhr
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Olaf H. betritt den Gerichtssaal im Landgericht Krefeld. (Foto: dapd)

In der kommenden Woche soll das Urteil gegen Olaf H. fallen. Noch immer liegt sein Motiv, den zehnjährigen Mirco zu töten, im Dunkeln. Der psychiatrische Gutachter kommt allerdings zu dem Schluss: Olaf H. wusste, was er da tat.

Im Prozess um den Mord an dem zehnjährigen Mirco aus Grefrath hat ein psychiatrischer Gutachter dem angeklagten Familienvater volle Schuldfähigkeit bescheinigt. Die Steuerungsfähigkeit von Olaf H. sei bei der Tat vor gut einem Jahr nicht beeinträchtigt gewesen, sagte der Gutachter Martin Albrecht vor dem Krefelder Landgericht. Bei H. handele es sich um eine "gesunde Normalperson" von überdurchschnittlicher Intelligenz.

Belastungen im Beruf hätten vermutlich zum Durchbruch seiner perversen Fantasien geführt, die sich dann in der Tötung des Jungen entladen hätten, sagte der psychiatrische Sachverständige. Der Angeklagte habe Allmachtsfantasien entwickelt und den Jungen demütigen, unterdrücken und missbrauchen wollen. Er halte die Ermordung Mircos für die Tat eines sadistisch-perversen Täters, sagte Albrecht, der den Mann mehrmals untersucht hat.

Dem 45-jährigen Angeklagten droht in dem Prozess eine lebenslange Freiheitsstrafe. Das Verfahren soll am kommenden Montag mit den Plädoyers fortgesetzt werden, das Urteil wird für nächsten Donnerstag erwartet.

Brutale Tat

Der Familienvater aus dem unweit von Grefrath gelegenen Schwalmtal hatte vor der Krefelder Strafkammer gestanden, Mirco am Abend des 3. September 2010 entführt, missbraucht und erdrosselt zu haben. Das Motiv des 45-Jährigen liegt allerdings weitgehend im Dunkeln. Im Zeugenstand hatten seine drei früheren Ehefrauen den Angeklagten als liebevollen Familienvater ohne jeden Hang zu Gewalt geschildert.

H. war im Januar festgenommen worden und hatte die Ermittler zur Leiche des Jungen auf einem Acker nördlich des niederrheinischen Grefrath geführt. Zuvor hatte die Polizei insgesamt 145 Tage vergeblich nach Mirco gesucht. Dabei setzten die Ermittler eine der größten Suchaktionen der vergangenen Jahre in Gang: Zeitweise durchkämmten bis zu 1000 Beamte die Wiesen- und Waldgebiete im Raum Grefrath. Auch Bundeswehr-Tornados mit Wärmebildkameras wurden eingesetzt, ebenfalls eine unbemannte Flugdrohne. Auf die Fährte des Angeklagten kamen die Ermittler letztlich durch Spurenmaterial an seinem früheren Leasing-Wagen. Es war identisch mit Spuren auf Mircos Kleidung, die der Täter nach dem Mord weggeworfen hatte.

Quelle: dpa