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Der Mann war schon zur letzten Verhandlung im Rollstuhl erschienen.
Der Mann war schon zur letzten Verhandlung im Rollstuhl erschienen.(Foto: dpa)

Angst vor höherer Strafe?: Mörder stirbt an Vergiftung

Der Fall einer toten Küsterin erregt Ende 2012 großes Aufsehen. Der Ehemann wird zuerst wegen Mordes verurteilt. In einem zweiten Prozess droht ihm dann eine noch härtere Strafe. Doch dazu kommt es nicht mehr.

Der verurteilte Mörder einer Küsterin aus dem niedersächsischen Braunlage, der seit Januar erneut vor Gericht stand, ist tot. Der Mann hatte am vergangenen Mittwoch im Gefängnis giftige Stoffe zu sich genommen. Diese verätzten seine Speiseröhre und den Magen, außerdem bekam er eine Lungenentzündung. Er starb am Samstag auf der Intensivstation des Krankenhauses in Wolfenbüttel, wie das Landgericht Braunschweig mitteilte. Es sei davon auszugehen, dass er sich die bislang unbekannten Mittel selbst zugeführt habe, erklärte sein Verteidiger. Die genaue Todesursache werde nun ermittelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Braunschweig.

Von einem Suizid wollte sie nicht sprechen. "In diese Richtung gehen aber die Vermutungen", sagte die Sprecherin. Der 56-Jährige war 2013 vom Landgericht Braunschweig wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil er seine Ehefrau - und Mutter seiner zehn Kinder - 2012 nach einem Gottesdienst erschossen hatte. Die 48-jährige Küsterin wollte sich scheiden lassen.

In dem erneuten Prozess gegen den Mann wollte das Gericht darüber verhandeln, ob bei dem Fall eine besondere Schwere der Schuld vorliegt. Wäre die festgestellt worden, wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren nahezu unmöglich gewesen. In dem ersten Urteil hatte das Gericht keine besondere Schwere der Schuld festgestellt. Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin Revision. Der Angeklagte saß während der Verhandlung im Rollstuhl.

Kinder für Tat instrumentalisiert

Schon in der Haft sei er mehrfach kollabiert und habe eine Zeit lang im Koma gelegen, sagte sein Verteidiger. Wegen des schlechten Gesundheitszustandes des Angeklagten war der Prozess in den vergangenen Wochen immer wieder unterbrochen worden. Die Tat des Frührentners hatte besondere Aufmerksamkeit erregt, auch weil der Mann seine Kinder für die Tat instrumentalisiert hatte: Seine zwölfjährige Tochter bat er, der Mutter als Zucker getarnte Medikamente in den Tee zu schütten, um seine Frau zu schwächen.

Nachdem er die Küsterin erschossen hatte, mussten die Zwölfjährige und sein 20 Jahre alter Sohn ihm helfen, die Leiche im Keller der Kirche zu verstecken und das Blut aufzuwischen. Anschließend beschuldigte der Vater den Sohn, auf die Mutter geschossen zu haben. Das Gericht sah es allerdings als erwiesen an, dass der Vater die Tat beging.

Quelle: n-tv.de

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