"Heftig und einzigartig"Mordserie steht vor Aufklärung
Fünf junge Frauen sind vor Jahrzehnten grausam ermordet worden. Lange Zeit bleiben die Taten ungeklärt - bis die Polizei einen Verdächtigen in einem der Mordfälle festnimmt. Nun gesteht er auch die anderen vier Taten. Ob er weitere Morde begangen hat, bleibt unklar.
Gabriele, Ilse, Renate, Jutta und Angela - sie alle waren jung, sie alle wurden sexuell missbraucht und ermordet. Jetzt stehen die Taten vor der Aufklärung. Ein 64-Jähriger aus dem Kreis Segeberg, der im April wegen des Mordes an der 18-jährigen Tramperin Gabriele im Jahr 1984 festgenommen worden war, hat nun auch die vier weiteren Taten gestanden. "Uns ist es gelungen, eine bemerkenswerte Serie von Straftaten aufzuklären", sagte Oberstaatsanwältin Birgit Heß. Die fünf Morde ereigneten sich zwischen 1969 und 1984 im Raum Hamburg, Norderstedt und Segeberg. Die Opfer waren junge Frauen im Alter von 15 bis 22 Jahren.
In allen fünf Fällen ist der Verdächtige nach Angaben der Ermittler mit besonderer Grausamkeit vorgegangen. "Die ganze Vorgehensweise ist absolut heftig und einzigartig", sagte der Leiter der Mordkommission Stefan Winkler. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler waren die Frauen Zufallsopfer. Der Täter sah sie im Vorbeifahren im Auto, fasste spontan den Tatentschluss und lauerte ihnen auf. "In allen Fällen haben sexuelle Motive eine Rolle gespielt", sagte Heß. Ob den Frauen vor oder nach ihrem Tod sexuelle Gewalt angetan worden war, wollte sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Alle Frauen waren erwürgt oder erdrosselt worden.
Abgefangen auf dem Weg zur Disco
Der Schlüssel zur Aufklärung der Mordserie war der Fall der 18-jährigen Gabriele. Die Schwesternschülerin hatte sich im Februar 1984 per Anhalter auf den Weg in eine Diskothek gemacht - wo sie aber nie ankam. Der damals 37 Jahre alte Tatverdächtige soll das Mädchen mit dem Auto mitgenommen haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler vergewaltigte er die junge Frau und tötete sie.
Der Mann lebte danach weiter ein unauffälliges Leben. Er ist von Beruf Handwerker, lebte seit Jahren im norddeutschen Raum. Wegen Körperverletzung und Vergewaltigung einer Prostituierten wurde der Mann 1993 in Hamburg zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Mit weiteren Taten konnte er damals nicht in Verbindung gebracht werden.
Speichelprobe bringt Klarheit
Im April 2011 wurde er als Verdächtiger im Mordfall Gabriele verhaftet. Eine neue, verfeinerte Untersuchungsmethode von Gen-Spuren brachte den Fahndern den Durchbruch. Vom Herbst 2010 an gaben mehr als 150 Männer ihre Speichelprobe ab, nachdem Ermittler ein Profil des potenziellen Täters erstellt hatten. Eine Probe brachte den Durchbruch - der 64-Jährige wurde im April in seiner Wohnung festgenommen.
Möglicherweise war es Reue, die den Mann nun zum Geständnis der vier weiteren Taten bewegte, sagte Winkler. Die Ermittler beschäftigt nun auch die Frage, ob der 64-Jährige weitere Morde begangen haben könnte. "Darauf liegt natürlich unser besonderes Augenmerk, aber das streitet er vehement ab", berichtete Winkler. Der Haftbefehl gegen ihn soll auf alle fünf Morde ausgeweitet werden, sagte Staatsanwalt Matthias Daxenberger. "Wir wollen möglichst schnell Anklage erheben."