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Kelley tötete am Sonntag 26 Menschen.
Kelley tötete am Sonntag 26 Menschen.(Foto: Facebook)
Montag, 06. November 2017

Terror, Krankheit, Rache?: Motiv des Kirchenattentäters ist ein Rätsel

Von Solveig Bach

Für US-Präsident Trump ist das Blutbad in einer Kirche in Texas die Tat eines Geistesgestörten. Die Ermittler halten sich mit Einschätzungen noch zurück. Möglicherweise bleibt das Motiv des Schützen im Dunkeln.

Warum griff der 26-jährige Devin Patrick Kelley die Besucher eines Gottesdienstes an? Noch stehen die Ermittler im US-Bundesstaat Texas vor einem Rätsel. Kelley hatte am Sonntag in dem kleinen Ort Sutherland Springs während eines Gottesdienstes in der First Baptist Church 26 Menschen erschossen und mindestens 20 weitere verletzt.

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Die Opfer sind den Angaben zufolge zwischen 5 und 72 Jahre alt. 23 Tote wurden in der Kirche gefunden, zwei davor. Ein weiteres Opfer starb Behördenangaben zufolge später im Krankenhaus. Der mit einer schusssicheren Weste ausgestattete und ganz in Schwarz gekleidete Schütze flüchtete in seinem Wagen. Er wurde später tot gefunden.

Für US-Präsident Donald Trump, der gerade in Japan weilt, war das Motiv sofort klar. "Das ist ein psychisches Problem auf höchstem Niveau", sagte Trump. "Es ist ein sehr, sehr trauriges Ereignis." Psychische Probleme seien in den USA verbreitet, wie auch in anderen Ländern. Glücklicherweise sei der Täter von einem anderen Mann erschossen worden, sonst wäre es noch viel schlimmer gekommen. Für die Ermittler steht Kelleys Todesursache bisher keineswegs fest. "Wir wissen nicht, ob es eine selbst herbeigeführte Schusswunde war oder ob er von unserem Einwohner angeschossen wurde", zitierte NBC News Freeman Martin vom texanischen Ministerium für Öffentliche Sicherheit.

Rache für erlittenes Unrecht?

Vieles deutet darauf hin, dass es sich bei dem Täter um einen typischen Amokläufer handelt, bei dem eine ganze Reihe von Ursachen zusammen kamen, die schließlich zu der Gewalttat führten. Über Kelley ist bekannt, dass ihn 2012 ein Militärgericht wegen Angriffen auf seine Frau und das gemeinsame Kind verurteilt hat. Er musste zwölf Monate in Haft und wurde degradiert. Zwei Jahre später wurde er aus der Luftwaffe entlassen. Zuvor hatte er erfolglos Berufung eingelegt. Später arbeitete er als Sicherheitsmann in einem Freizeitpark.

In den Strafregistern von Comal County, wo der 26-Jährige lebte, finden sich nur ein paar kleinere Verkehrsvergehen. Kelleys Onkel sagte dem US-Sender NBC: "Ich hätte niemals gedacht, dass Devin zu solchen Dingen in der Lage wäre. Meine Familie wird wegen seiner feigen Tat leiden. Es tut mir so leid um die Opfer von Texas."

Eine "offensichtliche" Verbindung Kelleys zu einer Terrorgruppe konnte das FBI bisher nicht finden. Unklar ist noch, ob sich Bekannte oder Freunde des Täters in der Kirche aufhielten.  Dem "San Antonio Express" zufolge sollen Familienmitglieder von Kelley Verbindungen zur First Baptist Church gehabt haben.

Wissenschaftliche Untersuchungen von Amokläufen zeigen, dass die meist männlichen Täter vor ihren Taten häufig unter extremen sozialen Spannungen litten. Dabei kann es sich um Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz, familiäre Streitigkeiten oder Differenzen mit Behörden handeln. Manchmal sind persönliche Schicksalsschläge Mitauslöser. In mehr als der Hälfte der Fälle ging es um Rache für erlittenes oder vermeintlich erlittenes Unrecht. Oft fühlen sich die späteren Täter narzisstisch gekränkt und zu wenig wertgeschätzt. Viele haben ein geringes Selbstwertgefühl.  

Zugang zu Waffen führt zu mehr Opfern

Einig waren sich die Wissenschaftler darin, dass man Amokläufe nur schwer voraussehen kann. Die Zahl der Opfer könne man jedoch reduzieren, wenn man den Zugang zu Schusswaffen erschwere. Kelley hatte ein Sturmgewehr, aus dem er innerhalb weniger Minuten mehr als 20 Schüsse abgeben konnte. In seinem Auto fand die Polizei weitere Waffen. Ex-Präsident Barack Obama twitterte in seiner Beileidsbekundung: "Möge Gott uns allen die Weisheit geben, um zu fragen, welche konkreten Schritte wir unternehmen können, um die Gewalt und die Waffen unter uns zu reduzieren."

Doch Präsident Trump sieht keinen Handlungsbedarf. Das Massaker von Texas sei ein sehr, sehr trauriges Ereignis: "Wer hätte jemals gedacht, dass so etwas passieren kann."

Freeman Martin betonte, bisher habe man für die Ermittlungen nur wenige Stunden Zeit gehabt. Man werde mehr Zeit brauchen, sehr viel mehr Zeit. "Wenn Sie gekommen sind, um das Motiv hinter den Schüssen zu erfahren, werden Sie enttäuscht weggehen."

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Quelle: n-tv.de

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