Robert Steinhäuser, der Amokläufer von Erfurt.
Dienstag, 23. September 2008
Viele Belastungen bei Tätern: Muster immer ähnlich
Ohnmacht, Misserfolge, Isolation und gescheiterte Lebensentwürfe - das Grundmuster für Amokläufe ist nach den Worten des Kriminologen Christian Pfeiffer immer ähnlich. "In aller Regel ist es ein Schüler, der "die anderen" für seine Situation verantwortlich macht", sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen der Deutschen Presse- Agentur.
"Außerdem kennzeichnet ihn, dass er seine Sicherheit durch den Besitz von Waffen gewinnt." Die Waffe sei für ihn eine Krücke, die ihm Selbstbewusstsein verleihe. Zu Waffen habe er geradezu ein erotisches Verhältnis.
"Hinzu kommt, dass er kaum jemanden hat, mit dem er sich über die Probleme, die ihn belasten, aussprechen kann", sagte Pfeiffer. Aus der Isolation heraus entstehe dann sehr häufig eine intensive Auseinandersetzung mit Tötungsfantasien in der virtuellen Welt der Computerspiele.
"Das alleine würde niemals reichen", betonte Pfeiffer. "Sonst hätten wir Tausende von Amokläufern." Die Ursachenkette gehe nicht so herum, dass Computerspiele jemanden unmittelbar zum Gewalttäter werden lassen. Vielmehr betreffe es Hochgefährdete, Frustrierte, Verlierer, die dann in den Sog einer solchen Tötungsfantasie virtuell hineingeraten können.
Erst das Zusammenballen von einer Fülle von Belastungsfaktoren bewirkt nach Einschätzung Pfeiffers, dass aus dem Gefährdungspotenzial von Computerspielen ein Tötungsentschluss werden könne. "Es gibt keinen einzigen jungen Menschen in den USA, in Asien, in Deutschland, der als Amokläufer bekanntgeworden ist, der nicht vorher exzessiv seine Fantasien virtuell geübt hat", gab der Kriminologe zu bedenken. "In Erfurt ging es ja so weit, dass der Täter die Köpfe der Lehrer, die er erschießen wollte, in den Computer projiziert hat und sie zunächst in seiner Fantasie erschossen hat, bevor er in die Schule gegangen ist.
Am Ende stehe bei dem Täter immer der Wunsch, einmal Herr über Leben und Tod zu sein, um die Ohnmacht, die ihn im Alltagsleben prägt, zu kompensieren. "Die Supermacht genießen, die Panik in den Augen der Gegenüber, die zu flüchten versuchen - das alles soll entschädigen für die vielen Demütigungen und Niederlagen, die er vorher erlebt hat. Es ist eine sich aufschaukelnde Dynamik von Belastungsfaktoren, die Amokläufer kennzeichnet."
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