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Bilder des Senders Sky News vom Massaker.
Bilder des Senders Sky News vom Massaker.(Foto: picture-alliance / dpa)

"Die Schuld passt in keinen Raum": Mutter des Columbine-Amokläufers redet

Das Massaker an der Columbine High School ist der schlimmste Amoklauf an einer US-Highschool. Nun spricht erstmals die Mutter eines der Täter - über ihre Versäumnisse und ihren Sohn, der für sie kein Monster ist.

Die Mutter eines der Amokläufer von der Columbine High School hat zum ersten Mal seit dem Massaker im Jahr 1999 öffentlich über ihr Gefühl des Versagens gesprochen. Der britischen Zeitung "Guardian" sagte Sue Klebold, dass ihre Schuldgefühle riesig seien. "Die Schuld, die man fühlt, passt in keinen Raum, sie ist so groß."

Klebolds 17-jähriger Sohn Dylan hatte im April 1999 gemeinsam mit seinem Freund Eric Harris in einer Schule in einem Außenbizirk von Denver zwölf Schüler und einen Lehrer getötet. Der Amoklauf ist das schlimmste Massaker an einer High School in der US-Geschichte. Die beiden Teenager waren schwer bewaffnet und schossen fast 50 Minuten um sich, wobei sie lachten und rassistische Bemerkungen machten. In und außerhalb der Schule deponierten sie mehrere Bomben, eine ging erst mehrere Stunden nach dem Massaker hoch. Wie später herauskam, hatten beide gehofft, die ganze Schule zu zerstören und möglichst viele der 2000 Schüler zu töten.

Sue Klebold erklärte, sie habe nie gedacht, ihr Sohn könne eine Gefahr für sich oder andere sein. Gewiss habe sie gesehen, dass sich sein Verhalten verändert habe, allerdings habe sie das auf die Pubertät geschoben. Dabei habe sie die Zeichen übersehen, dass ihr Sohn unter Depressionen litt. Dass sie dies nicht gemerkt habe und so die schreckliche Tat nicht habe verhindern können, könne sie sich nicht verzeihen.

Immer wieder, so Klebold, würde sie im Geiste jeden Moment durchgehen. Was sie fühle, sei Selbsthass. "Ich ließ das geschehen. Es war meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass er und auch andere sicher waren. Und doch ist es meinetwegen geschehen, weil ich es nicht verhindern konnte."

Trotz der furchtbaren Tat ihres Sohnes würde sie ihn trotzdem lieben und nicht glauben, dass er ein Monster war. "Ich habe keine Wahl. Man liebt seine Kinder," so die 66-Jährige.

Nach dem Massaker erhielt Klebold, ebenso wie der Vater von Eric Harris, Morddrohungen. Keiner der Eltern der Amokläufer äußerte sich öffentlich, erstmals schrieb Klebold 2009 einen Artikel für Oprah Winfreys Magazin "O". In Kürze veröffentlicht Klebold ein Buch über ihr Leben nach dem Massaker. Hier schreibt sie erstmals detailliert über ihren Umgang mit der Tat des Sohnes und dass sie es nicht schaffe, ihre Erinnerungen an ihren "Sunshine boy" mit dem Bild des Sadisten übereinzubringen. Der Erlös aus dem Buch soll karitativen Organisationen zugute kommen.

Quelle: n-tv.de

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