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Barbara Williams, die Leiterin des psychologischen Beratungsdienstes der Hilfsorganisation Rape Crisis in Kapstadt (Südafrika), blättert in einer Broschüre für Vergewaltigungsopfer.
Barbara Williams, die Leiterin des psychologischen Beratungsdienstes der Hilfsorganisation Rape Crisis in Kapstadt (Südafrika), blättert in einer Broschüre für Vergewaltigungsopfer.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 14. September 2017

Missbrauch in Südafrika: Mutter ersticht Vergewaltiger ihrer Tochter

Drei Männer vergewaltigen ihre Tochter. Die Mutter greift zum Messer und ersticht einen Vergewaltiger, die anderen werden verletzt. Die "Löwenmutter" aus Südafrika wird festgenommen - und in sozialen Medien gefeiert.

Eine Mutter in Südafrika wird Zeuge, wie drei Männer ihre 27-jährige Tochter vergewaltigen. Dann greift sie nach einem Messer und geht auf die Angreifer los - einen ersticht sie, zwei verletzt sie.

In den sozialen Medien des Landes gibt es eine Solidaritätswelle für die Frau, sie wird als "Löwenmutter" gepriesen. Über eine Crowdfunding-Kampagne waren schnell knapp 7000 US-Dollar zusammengekommen, um Mutter und Tochter zu unterstützen. Der Mutter wird nun versuchter Mord in zwei Fällen und Mord vorgeworfen, erklärte ihre Anwältin Buhle Tonise. "Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen ist ein großes Problem in Südafrika", erklärte Tonise, die ihre Mandantin gebührenfrei vertritt.

In sozialen Netzwerken wurde die "Löwenmutter" als "Heldin" bezeichnet. Viele Menschen forderten ihre Freilassung, da sie nur aus Notwehr ihre Tochter verteidigt habe. Die Mutter war nach der Tat in der Provinz Ostkap am 2. September festgenommen worden, kam jedoch kurze Zeit später auf Kaution wieder frei. Die beiden mutmaßlichen Vergewaltiger sollen am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Unvorstellbare Zahlen

Laut jüngster Polizeistatistik gab es in Südafrika allein von April bis Dezember 2016 rund 30.000 Fälle von Vergewaltigung. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Dunkelziffer wesentlich höher liegt, da viele Fälle gar nicht gemeldet werden. Rund 30 Prozent der heranwachsenden Südafrikaner gaben im Rahmen einer Studie an, ihre ersten sexuellen Erfahrungen basierten auf einer Vergewaltigung.

Die University of South Africa schätzte vor einigen Jahren, es gebe gar eine Million Vergewaltigungen pro Jahr. Wenn diese Zahl stimmt, würde alle 30 Sekunden eine Frau am Kap zum Sex gezwungen. Für eine in Südafrika geborene Frau sei die Wahrscheinlichkeit, sexuell missbraucht zu werden, höher als die, lesen und schreiben zu lernen, lautete damals die Schlussfolgerung der "BBC".

Quelle: n-tv.de

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