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Dienstag, 03. März 2009

Apokalyptische US-Stimmung: Nacktes Überleben üben

Die Anzeichen sind doch eigentlich ganz klar, man muss sie nur zu deuten wissen. Der Kollaps der Wirtschaft, das Millionenheer der Arbeitslosen, Terrorismus, Seuchen - für Menschen wie Jim Rawles sind es Vorboten der Apokalypse. Der 48-jährige Amerikaner zählt sich zur wachsenden Bewegung der "survivalists" in den USA, die sich aktiv auf den vermeintlich nahenden Zusammenbruch der Weltordnung vorbereiten. Die düstere Stimmung infolge der Wirtschaftskrise treibt ihnen immer mehr Anhänger zu.

Der Begriff "survivalist" leitet sich von dem englischen Wort für "Überleben" ab. Ums Überleben geht es auch Jim Rawles, der sich auf einer Ranch westlich der Rocky Mountains verschanzt hat und Gleichgesinnten über seine Webseite survivalblog.com Tipps zur Vorbereitung auf diverse Untergangsszenarien bietet.

"Die Bewegung wächst ganz eindeutig", sagt Rawles. "Wir haben drei Mal mehr Leser als noch vor neun Monaten." Der Überlebensexperte berichtet, dass sich das Spektrum seiner Mitstreiter verändere. "Früher waren es meist konservative Christen", sagt Rawles. "Heute haben wir viel mehr Leute links der Mitte."

Untergangspropheten gewinnen an Popularität

Apokalyptische Bewegungen haben eine gewisse Tradition in den USA. Immer wieder zogen sich in der US-Geschichte sektiererische Gruppen in abgelegene Regionen zurück, um sich dem Einfluss einer ihrer Ansicht nach verdorbenen Gesellschaft zu entziehen und sich auf den großen Zusammenbruch vorzubereiten. Lange wurden die Untergangspropheten als reine Spinner abgetan. Nun registrieren sie wachsendes Interesse aus der Mitte der Gesellschaft.

Der 47-jährige "survivalist" Aton Edwards aus New York etwa bietet ernst gemeinte Übungslehrgänge für den Fall der Weltkatastrophe an - und kann sich derzeit nach eigenen Aufgaben vor Aufträgen kaum retten. "Wir können die Nachfrage gar nicht bewältigen", sagt Edwards. Er glaubt den Grund zu kennen: "Seit die wirtschaftliche Lage so ist, wie sie ist, interessieren sich alle für uns - das komplette Spektrum der Gesellschaft."

Überlebenskurse gefragter denn je

Edwards gibt sich überzeugt, dass sich eine "unvermeidbare Katastrophe" anbahnt. Was genau kommen wird, weiß er nicht genau: ein Atomkrieg, eine große Flut, eine Terrorattacke, was auch immer. Ganz sicher ist er sich aber, dass seine Heimatstadt New York nicht ausreichend vorbereitet ist. Deswegen gibt er Überlebenskurse in seinem Institut "Global Meltdown Survival Clinic". Inzwischen drängeln sich bis zu 60 Leute in den Lehrgängen.

Die Beschwörung der Apokalypse hat bereits die Mainstream-Kultur in den USA erreicht. Der Spartensender "National Geographic" strahlt im Fernsehen eine Serie mit dem Titel "Aftermath: Population Zero" aus, in der es darum geht, wie die Erde ohne Menschen aussähe. Auf einer dazugehörigen interaktiven Webseite können Nutzer zu Illustrationszwecken per Mausklick New York und andere US-Wahrzeichen auslöschen.

Sogar Vieh wird gehalten

Unter den zahlreichen Buchautoren, die sich dem Thema Apokalypse widmen, ist inzwischen auch Barton Biggs, der ehemalige Chefstratege der Investmentbank Morgan Stanley. Er rät in seinem Buch "Wealth, War and Wisdom" zur Proviantierung mit Medikamenten und Konservendosen. Auf einschlägigen Seiten im Internet wird alles von vakuumverpackter Nahrung bis hin zu nuklearen Strahlenmessern im Taschenformat angeboten.

"Ich lagere Waffen, Munition, Nahrung, Ausrüstung und so weiter, und ich halte Vieh", berichtet der überzeugte "survivalist" Jon in einem Email-Interview mit AFP. Jon, der seinen Nachnamen nicht nennen will, lebt auf einer Farm, will aber bald in ein "größeres festungsartiges Gebäude" umziehen, um sich besser zu wappnen. Seine Sorge vor der herannahenden Katastrophe ist echt, auch wenn er nur eine ungefähre Ahnung davon hat: Es könnte "eine Naturkatastrophe, ein Terroranschlag oder irgend etwas sein, das Panik und Gesetzlosigkeit auslöst und meine Familie gefährdet".

Sebastian Smith, AFP

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