Montag, 08. Oktober 2007
Layla so beliebt wie Knut: Nashornkuh wieder schwanger
Im Kampf um das Überleben der extrem gefährdeten Breitmaulnashörner haben Berliner Wissenschaftler eine Nashornkuh erfolgreich besamt. Das Muttertier Lulu im Zoo von Budapest ist erneut nach solch einem Eingriff trächtig. Thomas Hildebrandt vom Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) bestätigte einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Lulu hatte ebenfalls nach künstlicher Besamung im Januar dieses Jahres ihr Baby Layla geboren. Das Jungtier wiegt bereits 400 Kilo und ist laut Hildebrandt "so beliebt wie Eisbär Knut in Berlin".
Lulu ist den Angaben zufolge etwa im vierten Monat trächtig. Der Nachwuchs sei bisher gut entwickelt und derzeit etwa 15 Zentimeter lang. Die Tierärzte rechneten mit der Geburt etwa im November 2008, sagte Hildebrandt. Vater ist der bereits 38 Jahre alte Nashornbulle aus dem Zoo im britischen Colchester. Der Samen war dem Bullen vor etwa drei Jahren entnommen worden. Bis zum Auftauen für die Besamung wurde das Sperma bei etwa minus 195 Grad tiefgefroren gelagert.
Das Berliner Forscherteam mit Hildebrandt und dem ebenfalls international anerkannten Veterinärmediziner Robert Hermes entwickelt schon seit einigen Jahren ein Verfahren zur Erhaltung der Nashörner. Damit hoffen die Tiermediziner sogar, das stark vom Aussterben bedrohte nördliche Breitmaulnashorn retten zu können. Davon leben in Zoos nur noch acht Tiere. In der Wildnis in Afrika gibt es ebenfalls nur noch wenige Exemplare. Nashorn Lulu in Budapest gehört der weniger bedrohten Art der südlichen Breitmaulnashörner an. Davon gibt es laut Hildebrandt weltweit noch etwa 12 000 Tiere.
Ziel der Berliner Wissenschaftler ist es, von den wenigen überlebenden nördlichen Breitmaulnashörnern Sperma zu gewinnen. Dazu legen die Tierärzte die Bullen in Narkose. Der Samen wird später tiefgefroren. Anschließend werden damit Nashornkühe in Zoos besamt. Ein schwieriger Eingriff, denn der Genitaltrakt weiblicher Nashörner ist mit 1,5 Metern extrem lang. Zudem weist der Gebärmutterhals starke Falten auf. Das Berliner Team hat dafür eine erfolgversprechende Technik entwickelt. Auch die gefährliche Narkotisierung sei entsprechend verbessert worden, hieß es vom Leibniz-Institut.
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