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Olivier Ndjimbi-Tshiende, Pfarrer der bayerischen Gemeinde Zorneding, hat nach Morddrohungen sein Amt aufgegeben.
Olivier Ndjimbi-Tshiende, Pfarrer der bayerischen Gemeinde Zorneding, hat nach Morddrohungen sein Amt aufgegeben.(Foto: dpa)

"Ab mit dir nach Auschwitz": Ndjimbi-Tshiende bittet um Verständnis

CSU-Politiker beschimpfen ihn als "Neger" und Unbekannte drohen ihm "Ab mit dir nach Auschwitz". Am Ende wird die rechte Hetze für Olivier Ndjimbi-Tshiende unerträglich. Der Pfarrer verlässt Zorneding - und ist erleichtert.

Der aus dem Kongo stammende Pfarrer der bayerischen Gemeinde Zorneding hat um Verständnis für seinen Rücktritt nach rassistischen Beschimpfungen und Morddrohungen gebeten. Er fühle sich nun erleichtert, sagte Olivier Ndjimbi-Tshiende. Am Sonntag hatte er der Gemeinde seinen Weggang angekündigt. Die Situation sei für ihn sehr belastend gewesen.

Ndjimbi-Tshiende wurde offen rassistisch beleidigt und bekam Morddrohungen. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" sollen den Pfarrer Postkarten mit Drohungen wie "Ab mit dir nach Auschwitz" und "Nach der Vorabendmesse bist du fällig" erreicht haben. Ndjimbi-Tshiende hat deswegen in drei Fällen Anzeige wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Bedrohung gestellt.

"Wir bedauern das sehr und stehen an seiner Seite," hieß es vonseiten des Erzbistums München zu dem Rassismus-Eklat.

Zorneding nach rechts gerückt

Der 66-jährige Ndjimbi-Tshiende hatte in den vergangenen Monaten fünf Morddrohungen erhalten, da er sich klar gegen fremdenfeindliche und rassistische Äußerungen der ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher positioniert hatte. Boher hatte im örtlichen Partei-Mitteilungsblatt geschrieben, Bayern werde von Flüchtlingen regelrecht überrannt. Es handele sich um eine Invasion. Migranten aus dem afrikanischen Eritrea nannte sie Militärdienstflüchtlinge. Und CSU-Vize Johann Haindl bezeichnete Ndjimbi-Tshiende als "Neger", nachdem der Pfarrgemeinderat die Äußerungen Bohers missbilligt hatte.

Bürgermeister Piet Mayr (CSU) wies gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" Vorwürfe zurück, die CSU sei mitverantwortlich für den Rücktritt. Zorneding habe sich vielmehr in der öffentlichen Wahrnehmung als eine nach rechts gerückte Gemeinde manifestiert, sagte er.

Ende März scheidet der 66-Jährige als Pfarrer der nahe München gelegenen Gemeinde aus und übernimmt eine neue Aufgabe in der Erzdiözese. In seiner Erklärung erinnerte er daran, dass er sich 2012 in der Gemeinde gut und freundlich aufgenommen gefühlt habe. Er wisse, dass viele seinen Weggang bedauerten, blicke nun aber nach vorne und freue sich auf den vor ihm liegenden Dienst an einem anderen Ort.

Quelle: n-tv.de

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