Verrottete Panzerminen im BodenNeuhausen wartet auf Silvester

Mit Böllern und Raketen werden die Bewohner von Neuhausen an der Spree in diesem Jahr ganz besonders vorsichtig umgehen. Kurz vor Weihnachten war am Ortsrand eine deutsche Panzerabwehrmine aus dem Zweiten Weltkrieg explodiert. Jetzt wollen die Experten erst einmal Silvester abwarten - und danach weiter suchen.
Nach mehrtägiger Suche haben Sprengstoffexperten im brandenburgischen Neuhausen an der Spree die Suche nach Munition aus dem Zweiten Weltkrieg vorerst beendet.
"Wir sind mit der Gefahrenabwehr-Maßnahme an dem Krater fertig", sagte Horst Reinhardt, Technischer Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) mit Blick auf den Fundort in dem Städtchen bei Cottbus südöstlich von Berlin. Es seien keine weiteren Minen gefunden worden. Die Anwohner könnten nun in Ruhe Silvester verbringen. Am 2. Januar 2012 soll dann das Erdreich an der Landstraße weiter untersucht werden. An der Stelle, an der sich Mitte Dezember eine zunächst vollkommen unerklärliche Explosion ereignet hatte, befindet sich ein alter, seit Jahrzehnten verschütteter Wassergraben.
Am 14. Dezember war dort in der Tiefe eine sogenannte Riegelmine . Der Vorfall erinnert nicht nur die Experten an den , wo das ungewöhnliche Niedrigwasser im Rhein eine britische Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg ans Tageslicht gebracht hatte.
Der Neuhausener Fall hat deutlich kleinere Dimensionen, . Riegelminen sind mit Sprengstoff gefüllte Blechkästen von ungefähr 80 Zentimeter Länge, die im Zweiten Weltkrieg in großer Stückzahl für die Wehrmacht produziert wurden. Sie enthalten etwa vier Kilogramm Sprengstoff. Die Koblenzer Luftmine war dagegen fast 1800 Kilo schwer. Im Zweiten Weltkrieg wurden Riegelminen vielfach an Einfallstraßen, auf Verbindungswegen oder im freien Feld zur Panzerabwehr eingesetzt.
"Fünf Minen in drei Arbeitstagen"
Bei der Neuhausener Mine waren offenbar über die Jahre im Grundwasser die Sicherungsmechanismen durchgerostet. Die Detonation führte zu deutlich sichtbaren Beschädigungen an einer Straße. Die Fahrbahndecke sackte auf einer Strecke von mehreren Metern ab. Im angrenzenden Explosionskrater stieß der hinzugezogene Kampfmittelräumdienst bei der Ursachenforschung auf weitere gefährliche Kriegsrelikte.
Ein extra angeforderter mit Schutzschilden habe nach kurzer Suche weitere Munitionsreste in sechs Metern Tiefe entdeckt, teilte
ein KMBD-Sprecher mit. Wiederholt mussten die Wohnungen in unmittelbarer Umgebung geräumt werden. Insgesamt zwölf Bewohner
waren davon betroffen, sagte Bürgermeister Dieter Perko. So langsam gehe das Szenario den Menschen in Neuhausen an
die Substanz, hatte Perko kurz nach Weihnachten die Stimmung vor Ort beschrieben.
"Die Kampfmittelexperten haben fünf Minen in
nur drei Arbeitstagen gefunden. Das ist Wahnsinn." Bereits in den Tagen vor Weihnachten wurden einzelne Riegelminen gezielt gesprengt. Beim Abpumpen des Sickerwassers in dem mittlerweile 10 mal 15 Meter großen Krater waren die Fachleute nach und nach auf weitere Sprengkörper gestoßen. Den Spezialisten zufolge wurden die Minen offenbar in einem Graben versenkt, der später zugeschüttet
wurde. Dies könne die relativ große Fundtiefe erklären, hieß es. Die Funddichte deutet darauf hin, dass die Munition nicht gezielt ausgelegt, sondern schlicht beseitigt werden sollte.
Explosives Erbe
Das Land Brandenburg gilt aufgrund der intensiven Kampfhandlungen im Zusammenhang mit der Schlacht um Berlin in den letzten Kriegstagen als besonders schwer durch Munitionsreste belastet. Auch auf den zahlreichen verlassenen Truppenübungsplätzen von Wehrmacht, Roter Armee und Nationaler Volksarmee ruhen noch zahlreiche lebensgefährliche Hinterlassenschaften. Im Zweifelsfall warnen die Experten ausdrücklich davor, verdächtige Gegenstände zu berühren oder in ihrer Lage zu verändern. Für das Bauen "in kampfmittelbelasteten Gebieten" gibt es umfangreiche Empfehlungen. Für den Kontakt zum Kampfmittelräumdienst betreibt das Land Brandenburg eine eigenen Bürgerservice unter den Telefonnummern: 033702 - 214-160 / -161 / -162.
Sorgen bereitet den Anwohnern, ob wirklich alles gefunden
wird. "Die Zug- und Druckzünder der Minen sind vollkommen durchgerostet
und werden oft nur noch von Patina gehalten", erklärte Perko. Bis zum endgültigen Abschluss der erweiterten Nachsuche bleibt die schwerbeschädigte Strecke samt unmittelbarer Umgebung gesperrt.