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Donnerstag, 08. April 2010

"Schindler aus Osnabrück": Niederlande würdigen Judenretter

In Zwolle beschäftigt sich eine Ausstellung mit Hans Calmeyer, der im Zweiten Weltkrieg mehr Juden gerettet haben soll als Oskar Schindler. In den Niederlanden ist der "Judenretter in deutschem Dienst" nicht unumstritten.

Für die Rettung von mehr als 3500 niederländischen Juden wurde er hochgeehrt und als "Schindler aus Osnabrück" bekannt. Dennoch ist der einstige NS-Verwaltungsbeamte Hans Calmeyer (1903-1972) in Holland nicht völlig unumstritten. 65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird der Osnabrücker nun in den Niederlanden mit einer Ausstellung gewürdigt. Unter dem Titel "Jodenredder in Duitse dienst" (Judenretter in deutschem Dienst) wird sie am 9.4. im "Historisch Centrum Overijssel" der Stadt Zwolle eröffnet.

Hans Calmeyer
(Foto: picture-alliance / dpa)

"Nur wenige Gestalten der niederländischen Besatzungsgeschichte wurden so unterschiedlich bewertet wie dieser Mann, dessen Name untrennbar mit der delikaten Frage der Arisierung verbunden ist", heißt es in der Ankündigung der Ausstellung, die der deutsche Historiker Joachim Castan gestaltete.

Calmeyer hatte 1940 als Wehrmachtssoldat an der Besetzung der Niederlande teilgenommen. Später war er in der deutschen Verwaltung in Den Haag für das "Judenreferat" zuständig. Dort hat er nach Aussagen von Geretteten Juden geholfen, Abstammungsnachweise zu fälschen, so dass sie als "Halbjuden" oder "Vierteljuden" eingestuft und daher nicht in Vernichtungslager deportiert wurden.

Er erfand sogar Affären

"Er hat dafür sogar Affären erfunden, die die Mutter oder Oma von jemandem angeblich mal mit einem Arier hatte", sagte Castan niederländischen Medien. "Er sah seine Stellung als Chance, Leben zu retten." Nach dem Krieg habe er sich stets schuldig gefühlt, weil er meinte, er hätte möglicherweise mehr Juden helfen können. Calmeyers Motive seien nie ganz klar geworden, "vermutlich handelte er aus Menschenliebe". Auf jeden Fall habe Calmeyer weit mehr Juden vor dem Tod in Vernichtungslagern bewahrt als der durch Hollywood weltbekannt gewordene Oskar Schindler.

Calmeyers Einsatz, der für ihn durchaus nicht ungefährlich war, wurde 1992 durch die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gewürdigt. Sie verlieh ihm posthum den Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern". Osnabrück ehrte den Juristen 1995 mit der Justus-Möser-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Stadt.

Rettungsaktionen nur ein Mythos?

Jedoch erklärte der niederländische Historiker Conrad Stuldreher 1998, Calmeyers heimliche Rettungstaten seien ein "Mythos". In Wirklichkeit sei er "ein legalistischer deutscher Beamter gewesen, der die Nürnberger Rassengesetze ausführte und mitschuldig ist am Holocaust". Andere Historiker widersprachen dieser Ansicht, unter ihnen Loe de Jong, der das 14-bändige Standardwerk "Das Königreich der Niederlande im Zweiten Weltkrieg" schrieb.

An der Eröffnung der Ausstellung nehmen Osnabrücks Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler und der Beauftragte der niederländischen Königin für die Provinz Overijssel, Geert Jansen, teil.

dpa

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