Hunderttausende Kinder leben immer noch in Flüchtlingslager.
(Foto: dpa)
Freitag, 07. Januar 2011
Unicef-Bericht zu Haiti: Noch 380.000 Kinder obdachlos
Am 12. Januar 2010 wurde Haiti von einem schweren Erdbeben erschüttert. Die internationale Gemeinschaft machte großzügige Hilfszusagen. Doch die Haitianer mussten mit weiteren Katastrophen kämpfen. Ein Jahr nach dem Beben steht Haitis Wiederaufbau daher immer noch am Anfang - besonders viele Kinder leiden immer noch große Not.Knapp ein Jahr nach dem schweren Erdbeben in Haiti mit rund 250.000 Toten hat das UN-Kinderhilfswerk Unicef auf die Not der Kinder in dem Karibikstaat aufmerksam gemacht. Rund 380.000 Jungen und Mädchen seien nach wie vor obdachlos und lebten in überfüllten Notlagern, erklärte Unicef. Das seien fast zehn Prozent der vier Millionen Kinder im Land. Insgesamt sei eine Million Menschen obdachlos. Kinder hätten unter den aufeinander folgenden Krisen in Haiti 2010 besonders gelitten und litten nach wie, erklärte die Unicef-Vertreterin für Haiti, Françoise Gruloos-Ackermans. Es müsse ihr Recht auf Leben, Gesundheit, Erziehung und Schutz garantiert werden.
Der Geschäftsführer von Unicef-Deutschland, Christian Schneider, erklärte, Haiti sei "kein hoffnungsloser Fall". Die Haitianer hätten nach der Katastrophe eine "enorme Kraft" bewiesen. "Haiti ist wie ein Patient auf der Intensivstation", erklärte Schneider. "Wir können nicht erwarten, dass der schwer Kranke schon jetzt alleine läuft. Die Hilfe muss weitergehen."
Katastrophe folgt auf Katastrophe
Das ärmste Land der westlichen Hemisphäre war am 12. Januar 2010 von einem Erdbeben der Stärke 7,0 erschüttert worden. Rund 250.000 Menschen starben, 1,3 Millionen Menschen wurden obdachlos. Im Oktober brach in dem Karibikstaat zudem eine Cholera-Epidemie aus, an der bislang mehr als 3600 Menschen gestorben sind.
Der Unicef-Bericht hebt hervor, dass die Lage der Kinder in Haiti bereits vor dem Erdbeben äußerst schwierig gewesen sei. So sei vor dem Beben nur jedes zweite Kind zur Schule gegangen, vier von zehn Kindern hätten nicht einmal Zugang zu einfachen Latrinen gehabt. 1,2 Millionen Kinder seien schon damals durch Krankheiten oder Gewalt bedroht gewesen. Die Erdbeben-Katastrophe habe die Situation weiter verschärft.
Immerhin sei es gelungen, seit der Katastrophe zwei Millionen Kinder gegen die gefährlichsten Kinderkrankheiten zu impfen, 720.000 Kinder seien mit Schulmaterial ausgestattet worden. Dagegen sei es nur bei rund 1250 von fast 5000 allein aufgefundenen Kindern gelungen, die Eltern oder Angehörige zu finden.
AFP
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