Panorama

Aus drei mach' eineNordkirche gegründet

27.05.2012, 12:32 Uhr

Ein bisschen wehmütig ist Bundespräsident Gauck schon. Schließlich war die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburg seine geistige und geistliche Heimat als Pastor. Gleichwohl ist für ihn die neue Nordkirche ein gelungenes Beispiel der deutschen Einheit.

DI10063-20120527-jpg4020029385897596550
Joachim Gauck bei der Ankunft in Ratzeburg. (Foto: dapd)

Bundespräsident Joachim Gauck hat die neue evangelische Nordkirche als gelungenes Beispiel der deutschen Einheit gewürdigt. Die beteiligten Kirchen hätten beispielhaft einen Einigungsprozess hinbekommen, "der sehr viel tiefer ging, menschlich anspruchsvoller und bereichernder war als ein Verwaltungsakt", sagte Gauck nach dem feierlichen Gründungs-Gottesdienst im Ratzeburger Dom. "Sie haben eine Vereinigung, wenn man so will, errungen - und sie können stolz darauf sein: auf den Weg und auf das Ziel."

Erstmals seit der Wiedervereinigung sind Landeskirchen aus Ost- und Westdeutschland miteinander verschmolzen. Die Evangelisch- Lutherische Kirche in Norddeutschland, so der offizielle Name, entstand aus der Nordelbischen Kirche (Hamburg/Schleswig-Holstein), der Mecklenburgischen und der Pommerschen Kirche.

Ohne die politische Einigung als Voraussetzung wäre die Fusion nicht möglich gewesen, betonte Gauck, der selbst viele Jahre als Pastor in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche von Mecklenburg gearbeitet hatte. In diesem Einigungsprozess sei es hilfreich gewesen, dass die Kirchen in Deutschland die politische Teilung nie gänzlich mitvollzogen haben. "Auch wenn längst nicht überall Opposition zur deutschen Teilung war oder auch nur innerer Widerstand dagegen, wo "Evangelische Kirche" draufstand: Es gab doch sehr viele Formen der Zusammenarbeit, der Begegnung, aber auch der ganz praktischen Hilfe."

"Manches war legal, manches halblegal und manches musste im Geheimen geschehen", sagte Gauck. Wichtig sei: Man habe immer voneinander gewusst, füreinander gehandelt und miteinander geglaubt. "Wir sind geistig beieinander gewesen, und so oft und so gut es ging auch praktisch", beschrieb der Bundespräsident die Haltung der Christen in der DDR. "Da war im kirchlichen Leben sicher mehr an "einigem Volk" lebendig geblieben als in anderen Bereichen der Gesellschaft."

"Gott mehr zu gehorchen"

Gauck betonte auch das historisch gewachsene Verhältnis evangelischer Landeskirchen zum Staat. Impulse und Orientierung aus den Kirchen hätten immer wieder in die Gesellschaft und den Staat hinein gewirkt. "Wenn also heute, hier in Deutschlands schönem Norden, sich drei Kirchen zu einer zusammenschließen, und dazu am Tag des Heiligen Geistes, dann sollen das ruhig auch andere merken, das Land, der Staat, die Gesellschaft."

In persönlichen Worten bekannte der frühere Rostocker Pastor, auch selbst Abschiedsschmerz zu fühlen. "War doch die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburg meine geistige und geistliche Heimat. (...) Hier habe ich gelernt auf die Schrift zu hören, hier habe ich die entscheidende Botschaft gelernt, dass man sich auf Gott verlassen kann - und dass man ihm mehr zu gehorchen hat als den Menschen. Was ich geworden bin - und wie ich es geworden bin: Das alles hat seine Wurzeln in dieser Kirche."

Quelle: ntv.de