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Die Wintersportler im Thüringer Wald müssen sich noch in Geduld üben.  Bis zu 12 Zentimeter Schnee sind erst gefallen. Zum Spuren der Loipen müssten es aber 25 Zentimeter sein.
Die Wintersportler im Thüringer Wald müssen sich noch in Geduld üben. Bis zu 12 Zentimeter Schnee sind erst gefallen. Zum Spuren der Loipen müssten es aber 25 Zentimeter sein.(Foto: picture alliance / dpa)

20 Grad Temperaturunterschied: Nordosten bleibt spürbar kälter

Anders als der Nordosten der Republik ist der Südwesten von eisigen Temperaturen verschont geblieben. Zumindest der schneidende Ostwind soll in den kommenden Tagen etwas nachlassen. Die Temperaturen steigen dort dann auf minus 5 bis minus 7 Grad.

ntv.de: Björn, hier in Berlin war es in den letzten Tagen sehr kalt. Am Rhein hingegen ist es fast noch frühlingshaft mild. Wie kommt es dazu?

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Björn Alexander: Derzeitig liegen wir in Deutschland genau zwischen Tief HELMUT bei den Britischen Inseln und einer riesigen Kaltluftansammlung über Nord- und Osteuropa sowie Russland. Und während ein Hoch die Kaltluft von Osten her zu uns schiebt, drückt das Tief feuchtmilde Luft von Südwesten her Richtung Deutschland. Zwischen dem Eiswinter in der Nordosthälfte und den milderen Temperaturen in der Südwesthälfte verläuft eine relativ ortsfeste Luftmassengrenze.

Wo genau liegt diese Grenze?

Diese Trennlinie verläuft aktuell vom Münsterland bis runter nach Niederbayern – nordöstlich davon fällt Schnee, Schneeregen oder auch gefrierender Regen, südwestlich davon meist Regen – nur auf den höchsten Gipfeln von Eifel bis zum Schwarzwald auch Schnee. Ganz im Nordosten scheint in der eiskalten Russlandluft noch öfter die Sonne.

Wie groß sind denn die Temperaturunterschiede?

Heute mittag lagen ziemlich genau 20 Grad zwischen den minus 12 in Mecklenburg-Vorpommern und den plus 8 in Karlsruhe. Durch den eisigen Süd- bis Ostwind in der Winterluft sind die gefühlten Temperaturen sogar nochmals kontrastreicher: im Nordosten minus 21 Grad, am Rhein plus 6 Grad. Das macht also fast 30 Grad Differenz bei den gefühlten Temperaturen, dem sogenannten Windchill.

n-tv Meteorologe Björn Alexander
n-tv Meteorologe Björn Alexander

Unglaublich. Wie genau misst man eigentlich die gefühlte Temperatur?

Die wird nicht gemessen, sondern aus Messwerten berechnet. Eingangswerte sind die Temperatur und die Windgeschwindigkeit. Die Überlegung, die dahinter steht, ist, dass die bewegte Luft die Wärme der Haut schneller und intensiver abtransportiert, wenn die Windgeschwindigkeit größer wird. Es handelt sich also um eine relative Größe, die tatsächlich von Menschen unterschiedlich empfunden werden kann und die sich beispielsweise nicht auf die Vereisung von Getränken in den Flaschen auf dem Balkon auswirkt.

Wenn warm und kalt aufeinandertreffen: was passiert dann genau?

Die Kaltluft schiebt sich wie ein Keil unter die Warmluft und hebt diese an. Fallen jetzt Regentropfen aus der Warmluft, die über der Kaltluft liegt, in Richtung Erde, dann durchqueren die Wassertropfen am Ende die Kaltluftschicht. Je nachdem, wie dick die kalte Luftschicht ist, umso mehr kühlt der Wassertropfen sich ab. Trifft er als unterkühlter, aber noch nicht gefrorener Wassertropfen auf gefrorenen Boden, dann kommt es zu Rutschgefahr durch gefrierenden Regen, das sogenannte Blitzeis. Ist die Kaltluftschicht größer, dann kann der Wassertropfen komplett gefrieren, dann ist das Ergebnis Eisregen. In der kalten Luft fällt hingegen so oder so Schnee.

Schnee oder Regen: wie geht es denn weiter?

Am Dienstag kommt die mildere Luft etwas ostwärts voran und somit verlagert sich auch die Luftmassengrenze weiter nach Nordosten. Damit werden im Gegenzug auch Nordbayern, Nordhessen und Thüringen sowie Südsachsen allmählich vom Frost befreit. Vor allem im Grenzgebiet von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie im Emsland besteht damit die Gefahr von gefrierendem Regen. Unterdessen setzt von der Elbmündung bis zur Lausitz Schneefall ein, der sich nach Nordosten (Berlin, Brandenburg) ausbreitet. Die Temperaturen steigen im Nordosten auf minus 5 bis minus 7 Grad und dort lässt der schneidende Ostwind zumindest etwas nach. Deutlich milder wird es nach wie vor entlang der Rheinschiene. Hier werden knapp 10 Grad plus erreicht.

Wie geht es danach weiter?

Im Nordosten anfangs noch Schnee oder gefrierender Regen. Ab Freitag wahrscheinlich auch im Nordosten um oder knapp über 0 Grad. Insgesamt bleibt es im Nordosten aber spürbar kälter als im Südwesten, wo die Temperaturen am Freitag wieder auf über 10 Grad ansteigen werden.

Das war es dann wohl schon wieder mit dem Winter. Kommt er nochmals zurück?

Innerhalb der nächsten 10 Tage sehr wahrscheinlich erst einmal nicht. Es bleibt im Flachland allgemein nasskühl und öfter mal wechselhaft. Auf den Bergen sieht es anders aus. Dort geht es je nach Höhenlage nasskalt bis winterlich weiter, oberhalb von 1000 bis 1300 Metern immer mal wieder mit Schneefällen - sicherlich ein Segen für die Wintersportgebiete. Fürs Flachland wird es nach jetzigem Stand der Wettermodelle zur Monatsmitte wieder spannender. Die Unsicherheiten sind zwar noch sehr groß, aber zumindest berechnen die Wettercomputer dann immer mal wieder das Vorankommen polarer Luftmassen bis in unsere Breiten.

Quelle: n-tv.de

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