Panorama

Erneute Panne für BPObama kündigt Energiewende an

03.06.2010, 07:39 Uhr
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Obama wirbt auch für sein Klimagesetz sowie die Besteuerung von CO2-Ausstoß. (Foto: dpa)

Als Konsequenz aus der verheerenden Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko will US-Präsident Obama eine Wende in seiner Energiepolitik vornehmen. So sollen die Steuererleichterungen für Ölkonzerne wegfallen und Gas sowie Atomkraft saubere Energie garantieren. Derweil scheitert erneut ein Versuch von BP, den Ölfluss vor der US-Küste zu stoppen.

Angesichts der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko will US-Präsident Barack Obama einen Kurswechsel in der Energiepolitik vorantreiben. Bei einer Rede an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh forderte Obama ein Ende der Steuererleichterungen für die Ölbranche. Wegen der Risiken bei der Ölförderung aus der Tiefsee müssten sich die USA stärker sichereren und umweltfreundlicheren Energien zuwenden. Das Auslaufen des Öls im Golf sei entweder auf menschliches Versagen zurückzuführen - oder aber darauf, dass die Konzerne möglicherweise Sicherheitsvorschriften umgangen hätten.

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Die Katastrophe breitet sich aus: Öl auf dem Golf von Mexiko. (Foto: REUTERS)

Obama erklärte in seiner Rede, er wolle bei seinem Kurswechsel neben mehr Energieeffizienz auf die natürlichen Gas-Ressourcen der USA und Atomkraft setzen. Zugleich warb er erneut für ein System, mit dem der Ausstoß von Treibhausgasen durch die Industrie durch eine Bepreisung von Kohlendioxid (CO2) verringert werden soll. Innerhalb der EU werden die CO2-Rechte zum Teil verkauft, zum Teil gratis vergeben. Für die USA ist das Vorhaben für den Abschluss eines weltweiten Klimaschutzabkommens unerlässlich.

Kritik an ihrem Krisenmanagement im Fall des Öl-Desasters im Golf von Mexiko wies die Regierung zurück. Wenn es einen Fehler gegeben habe, dann den, nicht deutlich genug kommuniziert zu haben, wie stark sich Obama von Beginn an im Kampf gegen die Ölpest eingesetzt habe, sagte Vizepräsident Joe Biden im Fernsehen.

Wieder Rückschlag für BP

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Die Säge bleibt beim Versuch, das Steigrohr zu durchtrennen, stecken. (Foto: Reuters)

Nach dem gescheiterten Versuch, das Bohrleck mit dem Einspritzen von Schlamm und Geröll zu verschließen, stieß der Ölkonzern BP auch bei einem erneuten Anlauf auf Probleme. Das Sägeblatt eines Unterwasser-Roboters verhakte sich beim Durchschneiden eines beschädigten Außenrohres am Bohrloch. Mehrere Stunden später gelang es aber, das Blatt wieder freizubekommen, um die Arbeiten fortzusetzen, wie aus Kreisen der Einsatzkräfte verlautete. Wenn es gelingt, das Rohr zu kappen, soll eine Art Glocke zum Absaugen des Öls installiert werden.

Das neue Verfahren gilt als riskant, weil sich der Öl-Austritt durch das Kappen des Rohres zunächst um 20 Prozent erhöhen kann. BP setzt mittelfristig vor allem auf Entlastungsbohrungen, die das Austreten des Öls stoppen sollen. Die zwei Bohrungen, mit denen Ende Mai begonnen worden war, gelten als verlässliches, aber zeitaufwendiges Verfahren. Experten rechnen damit, dass das Leck aber erst im August so endgültig gestoppt werden kann.

Öl bedroht Florida

In der Zwischenzeit sprudeln weiter tausende Tonnen Rohöl pro Tag ins Meer. Am Mittwoch näherte sich das Öl bis auf zehn Kilometern den weißen Stränden Floridas. Den Touristenort Pensacola wird es nach aktuellen Vorhersagen am Freitag erreichen, sofern es nicht aufgehalten werden kann, berichten US-Medien. Es seien zahlreiche Helfer an die Küsten des Sonnenscheinstaates geschickt wurden, um Öl-Barrieren auf dem Meer auszulegen. In Alabama seien bereits Ölklumpen an der Küste gefunden worden und auch den Bundesstaat Mississippi bedroht die Ölpest unmittelbar.

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Da bleibt was haften: Die Kritik an BP wächst, Konzernchef Hayward räumt Fehler ein. (Foto: dpa)

Bisher war die Ölkatastrophe auf Louisiana beschränkt: Dort sind über 200 Kilometer Küste verseucht. Die US-Regierung habe dem Staat jetzt erlaubt, kilometerlange Sandbänke im Wasser aufzuschütten, um den Ölteppich vom Land fernzuhalten, sagte Gouverneur Bobby Jindal. Das Weiße Haus habe BP aufgefordert, die Kosten für diesen Versuch zu übernehmen, der von Umweltschützern skeptisch gesehen wird. Sie verweisen auf die unbekannten langfristigen Wirkungen für die Umwelt.

BP-Chef räumt Fehler ein

BP-Chef Tony Hayward hat inzwischen eingeräumt, dass sein Unternehmen auf das Leck am Meeresgrund nicht vorbereitet war. "Es stimmt ohne Zweifel, dass wir nicht die Werkzeuge hatten, die in einen Werkzeugkasten gehören", sagte Hayward der "Financial Times". Kurz zuvor war ein neuerlicher Versuch, das Leck zu schließen, an technischen Schwierigkeiten gescheitert.

Die Bohrplattform "Deepwater Horizon" war am 20. April im Golf von Mexiko nach einer Explosion gesunken. Seitdem strömen aus einem defekten Bohrloch jeden Tag bis zu drei Millionen Liter Öl ins Meer. Die USA stehen nach Einschätzung von Fachleuten vor der größten Umweltkatastrophe ihrer Geschichte.

Quelle: tis/dpa/rts