Panorama
Täglich fließen tausende Tonnen Öl ins Meer. Eine Ende der Katastrophe ist nicht absehbar.
Täglich fließen tausende Tonnen Öl ins Meer. Eine Ende der Katastrophe ist nicht absehbar.(Foto: dpa)

BP schafft es nicht: Ölpest wird lange dauern

Es ist eine der größten Umweltkatastrophen in der US-Geschichte - und sie hat gerade erst begonnen. BP kapituliert vor seiner Ölquelle im Golf von Mexiko. Sie wird wie schon seit fünf Wochen weiter unglaubliche Mengen Gift ins Meer schießen. Amerika ist geschockt.

Nach dem neuerlichen Scheitern des Ölmultis BP bei der Abdichtung des Bohrlecks im Golf von Mexiko richtet sich die US-Regierung auf eine noch Monate währende Umweltkatastrophe ein. "Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet", sagte die Energieberaterin von Präsident Barack Obama, Carol Browner, im Fernsehsender CBS. Ein Versuch, das Loch in etwa 1600 Meter Tiefe mit Schlamm und Zement zu verschließen, war zuvor fehlgeschlagen. Damit begruben sich die Hoffnungen der Küstenbewohner auf ein baldiges Ende der größten Ölkatastrophe in der Geschichte der USA.

BP-Einsatzleiter Doug Suttles verschafft sich einen Überblick.
BP-Einsatzleiter Doug Suttles verschafft sich einen Überblick.(Foto: AP)

BP kündigte am Wochenende umgehend einen erneuten Anlauf an, um das Austreten des Rohöls zu stoppen. Experten befürchten aber, dass jetzt nur noch Entlastungsbohrlöcher das Problem lösen können. Die Bohrarbeiten hierfür dürften noch etwa zwei Monate dauern. Bis dahin könnten jeden Tag weiterhin Millionen Liter Öl ungehindert ins Meer strömen und die Küsten verschmutzen. "Dies ist wahrscheinlich die größte Umweltkatastrophe, der die USA jemals gegenüberstanden", sagte Browner.

BP-Chef Tony Hayward teilte nach dem Scheitern des jüngsten Versuchs am Samstagabend mit: "Ich bin enttäuscht, dass diese Operation nicht funktioniert hat." Ingenieure hatten seit Tagen versucht, dass Bohrloch mit einer Mischung aus Schlamm, Geröll und Zement zu verschließen. Das Team habe gute Arbeit geleistet. Auch an der Technologie habe es nicht gelegen, erklärte Hayward, der der sogenannten Top-Kill-Methode anfangs Erfolgsaussichten von bis zu 70 Prozent bescheinigt hatte.

"Das war doch klar, dass es nicht klappt", sagte der 53-jährige Krabbenfischer Joey Toups sichtlich frustriert. Er habe früher selbst auf einer Ölplattform gearbeitet und befürchte nun, dass nur noch Entlastungsbohrungen das Leck stoppen könnten.

"Wir sterben einen langsamen Tod"

Satellitenaufnahme vom Golf von Mexiko: Das Öl breitet sich auf und unter der Wasseroberfläche unablässig aus.
Satellitenaufnahme vom Golf von Mexiko: Das Öl breitet sich auf und unter der Wasseroberfläche unablässig aus.(Foto: Reuters)

Die Ölpest hat weite Teile der US-Küste am Golf von Mexiko verschmutzt und vielerorts das empfindliche Ökosystem aus dem Gleichgewicht gebracht. Die Katastrophe bedroht die Lebengrundlage zahlreicher Fischer. Auch der Tourismus leidet bereits unter der Ölpest. "Ich bin am Boden zerstört", sagte Billy Nungesser aus der Region Plaquemines in Louisiana. "Wir sterben einen langsamen Tod, jedes Mal, wenn das Öl sich einen Teil des Marschlandes nimmt, dann ist ein Teil Louisianas für immer verloren."

Erneuter Versuch mit der Kuppel

BP will nun in vier bis sieben Tagen eine Art Kuppel über dem Leck installieren, um das austretende Öl teilweise aufzufangen und abzupumpen. Der Konzern bemühte sich, zu große Erfolgserwartungen zu dämpfen. Zwei ähnliche Versuche waren in den vergangenen Wochen gescheitert. Die Ölplattform "Deepwater Horizon" war am 20. April explodiert und gesunken. Dabei kamen elf Arbeiter ums Leben. Aus dem Leck strömt seitdem ungehindert Öl.

BP-Aktie bricht dramatisch ein

Das erfolglose Krisenmanagement wird zu einem immer größeren Problem für den BP-Chef: Seit Beginn der Krise ist der Aktienkurs abgestürzt. Der Börsenwert von BP verringerte sich um 50 Milliarden Dollar, was etwa einem Viertel des Gesamtwertes entspricht. Am Freitag verlor die BP-Aktie fünf Prozent, weil sich erneut Verzögerungen beim Versuch zum Stopfen des Öllecks abzeichneten. Der Kursrutsch dürfte sich am Dienstag fortsetzen, wenn die Börse in London in eine verkürzte Handelswoche startet.

Obama macht Ölpest zur Chefsache

Obama will jetzt der Commander-in-chief sein, ein Präsident in Aktion.
Obama will jetzt der Commander-in-chief sein, ein Präsident in Aktion.(Foto: REUTERS)

Die Ölpest ruiniert aber nicht nur die Umwelt und den Ruf von BP, sondern beschädigt auch das Ansehen von US-Präsident Barack Obama. "Es regt einen auf und es bricht einem das Herz", erklärte Obama angesichts der mangelnden Fortschritte beim Kampf gegen die Ölpest. "Wir werden nicht ruhen, bis dieses Leck gestoppt ist, bis die Gewässer und Küsten wieder gesäubert sind und bis es den Menschen, die völlig zu unrecht zu Opfern dieser von Menschen verursachten Katastrophe wurden, wieder gut geht."

Obama kündigte an, er werde den Druck auf den Konzern aufrechterhalten. Bis die beiden Entlastungsbohrlöcher fertig seien, müsse BP alles daran setzen, dass Leck auf anderem Weg zu stoppen. Die Regierung räumte aber ein, dass es noch bis Ende Juli oder Anfang August dauern könnte, bis die neuen Bohrlöcher im Golf von Mexiko fertig seien. Bis dahin dürften nach Schätzungen der Regierung jeden Tag weiterhin bis zu drei Millionen Liter Öl ins Meer strömen.

Probleme schon länger bekannt

Der britische Konzern BP wusste nach einem Medienbericht schon Monate vor dem Unfall der Bohrinsel "Deepwater Horizon" von erheblichen technischen Problemen. Die Schwierigkeiten betrafen unter anderem das riesige Sicherheitsventil, das ein Ausströmen des Öls vom Bohrloch im Golf von Mexiko verhindern sollte. Außerdem habe es Hinweise auf Probleme an der Bohrleitung gegeben, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf interne BP-Papiere.

Erste Hinweise dieser Art hätten bereits im Juni 2009 vorgelegen, schreibt das Blatt. Ein BP-Ingenieur habe in einem internen Schreiben vor einem möglichen Worst-Case-Szenario gewarnt.

Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen