Mexikanischer DrogenkriegOpfer in Ketten massakriert

Der mexikanische Drogenkrieg ist berüchtigt für seine Grausamkeit. Doch was die Menschen nahe der Kleinstadt Tizapán entdecken, ist selbst für hiesige Verhältnisse erschütternd: 17 Männer, gefesselt und von unzähligen Kugeln getroffen.
Im Westen Mexikos sind die von Kugeln durchsiebten Leichen von 17 Männern gefunden worden. Die meisten der Toten seien mit Ketten gefesselt gewesen, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaats Jalisco. Laut Augenzeugen waren die Leichen von Lastwagen am Rande einer Straße abgeladen worden.
Nach amtlichen Angaben wurden die Leichen in der Nähe der Kleinstadt Tizapán an der Grenze zum Bundesstaat Michoacán gefunden. Jalisco und Michoacán, beide am Pazifik gelegen, gehören zu den Bundesstaaten, die am schlimmsten vom Drogenkrieg rivalisierender Kartelle heimgesucht werden. Im Norden des Landes waren allein am Freitag 16 Leichen gefunden wurden. Neun davon baumelten an einer Brücke in der Stadt Nuevo Laredo an der Grenze zu den USA.
Neue Eskalation
Die Behörden hatten nach der am Mittwoch im nordöstlichen Bundesstaat Tamaulipas vor zunehmender Gewalt gewarnt. Auf Jorge Eduardo Costilla alias "El Coss", den Chef des Golfkartells, war ein Kopfgeld von umgerechnet 1,7 Millionen Euro ausgesetzt worden. Vor seiner Festnahme waren 22 der 37 meistgesuchten Drogenbosse getötet oder festgenommen worden.
Anfang des Monats hatten mexikanische Marinesoldaten ebenfalls in Tamaulipas einen anderen Chef des Golf-Drogenkartells gefasst, Mario Cárdenas Guillén alias "El Gordo" (Der Dicke). Der Bundesstaat ist einer der Hauptschauplätze des brutalen Kampfs zwischen dem Golfkartell und der Rauschgiftbande Los Zetas. Die ursprünglich als bewaffneter Arm des Golfkartells gegründeten Los Zetas machten sich vor zwei Jahren selbstständig.
Nach den Festnahmen der beiden Golfkartell-Bosse rechnen Insider mit einem verstärkten Kampf zwischen dem im Westen Mexikos aktiven Sinaloa-Syndikat des seit 2001 flüchtigen Joaquín "El Chapo" (Der Kleine) Guzmán und der paramilitärischen Los-Zetas-Gang um die kriminellen Netzwerke des Golfkartells.
In Mexiko kämpfen verschiedene Drogenkartelle um die Kontrolle der lukrativen Schmuggelrouten in die USA. Seit der scheidende Präsident Felipe Calderón bei seinem Amtsantritt im Dezember 2006 einen massiven Armeeeinsatz gegen die Rauschgiftbanden anordnete, wurden mehr als 60.000 Menschen im mexikanischen Drogenkrieg getötet.