Dienstag, 23. November 2010
Folterfall in Thüringen: Opfer musste Grab schaufeln
Mit unglaublicher Grausamkeit haben vier Männer einen 22-jährigen gequält. Weil sie glaubten, er habe sie bei der Polizei verraten, folterten sie den jungen Mann stundenlang.In Thüringen sollen vier junge Männer einen 22-Jährigen brutal misshandelt und mit einer Scheinhinrichtung gequält haben. Wie die Staatsanwaltschaft Mühlhausen mitteilte, passierte der Vorfall bereits Anfang August. Er kam erst jetzt ans Licht, nachdem der Polizei ein Film von der Tat zugespielt wurde. Einer der Tatverdächtigen hatte Aufnahmen mit dem Handy-Video gemacht, auf dessen Grundlage die Ermittler die Peiniger des Mannes identifizieren konnten.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten die 18 bis 22 Jahre alten Tatverdächtigen ihr Opfer zunächst mit Stock- und Faustschlägen aus dessen Wohnung in Heiligenstadt getrieben und in den Kofferraum eines Autos gezwungen, weil sie ihn verdächtigt hatten, sie bei der Polizei verraten zu haben. Anschließend seien sie zu einem abgelegenen Waldstück gefahren und hätten den bereits völlig verängstigten jungen Mann "mit Tritten, Hieben und Schlägen durch den Wald getrieben". Der 22-Jährige erlitt dadurch Hämatome und Schwellungen am ganzen Körper.
Pschychische und physische Gewalt
Schließlich sollen die Beschuldigten ihr Opfer gezwungen haben, sich auszuziehen und sein eigenes Grab zu schaufeln. Anschließend zwangen sie ihn, zu singen, zu beten, sich nackt in das Erdloch zu legen und mit der Zunge Erde aufzulecken. Einer der Beschuldigten soll dabei eine Schreckschusswaffe auf den Kopf des 22-Jährigen gerichtet haben.
Zu diesem Zeitpunkt hatte der junge Mann laut Staatsanwaltschaft bereits "mit seinem Leben abgeschlossen". Nach den Demütigungen hätten die Beschuldigten von ihrem Opfer abgelassen und den jungen Mann in der Nähe von Heiligenstadt ausgesetzt. Offensichtlich aus Angst erstattete er keine Strafanzeige.
Anfang November wurde der Polizei eine CD zugespielt, auf der das gesamte Tatgeschehen aufgezeichnet war. Laut Staatsanwaltschaft wurden die vier Verdächtigen aus dem Eichsfeld am Mittwoch vergangener Woche festgenommen. Gegen sie wurde Haftbefehl wegen Geiselnahme erlassen. Alle vier haben laut Staatsanwaltschaft die Vorwürfe im Wesentlichen gestanden. Drei der Beschuldigten sind demnach vor allem wegen Eigentumsdelikten bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten.
AFP
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