Panorama

Taifun verwüstet Mindanao: Opferzahl steigt auf 475 Menschen

Alle auf der Philippinen-Insel Mindanao sind gewarnt, dass ein Taifun im Anmarsch ist. Doch alle Sicherheitsvorkehrungen können nicht verhindern, dass mindestens 475 Menschen ihr Leben verlieren. Der Katastrophenschutz muss sich zudem um 179.000 Obdachlose kümmern.

Viele Menschen auf den Philippinen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz.
Viele Menschen auf den Philippinen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz.(Foto: REUTERS)

Die Zahl der Opfer des Taifuns "Bopha" im Süden der Philippinen ist auf mindestens 475 gestiegen. An der Ostküste der Insel Mindanao seien 258 Leichen gefunden worden, weitere 191 Tote habe es rund um die Städte New Bataan und Monkayo gegeben, sagte der Leiter der Rettungseinsätze, Ariel Bernardo. Weitere Leichen wurden nach Angaben des Zivilschutzes in anderen Teilen von Mindanao sowie auf den zentralen Inseln der Philippinen gefunden. Zudem hätten 179.000 ihr Obdach verloren und seien in Schulen und Turnhallen untergebracht worden, 377 Menschen würden derzeit vermisst.

"Das Getöse - es war, als wollte der Wind uns lebendig verschlingen", sagte ein Mitarbeiter der Bürgermeisterin von Mati City der Zeitung "Inquirer". Erst 36 Stunden nach dem Sturm wurde das volle Ausmaß der Verwüstung deutlich.

Leichen hängen die Fetzen am Leib

Am schlimmsten betroffen war das Compostela-Tal 60 Kilometer Luftlinie landeinwärts von der Ostküste Mindanaos. "Das Wasser stürzte die Hänge herunter", sagte der Bürgermeister von New Bataan, Lorenzo Balbin, im Lokalradio. In dem Ort wurden allein 70 Leichen gefunden, 200 Menschen würden vermisst, sagte Militärsprecher Lyndon Paniza.

So einen verheerenden Sturm habe es dort noch nie gegeben, sagte Lehrerin Floreliz Bantolinao dem "Inquirer". Die schockierten Einwohner mussten die Leichen unter freiem Himmel aufbahren. Vielen hingen die Kleider nur noch in Fetzen am Körper. Sie waren notdürftig mit Laken zugedeckt.

Städte isoliert

Der Taifun war am Dienstag im Morgengrauen über der Ostküste hereingebrochen. Mit Wirbelgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern in der Stunde wütete er auf dem Weg nach Norden, entwurzelte Bäume, riss Strommasten um und deckte Dächer ab. Heftiger Dauerregen weichte Böden und Hänge auf. Baumstämme, Schutt und Trümmer blockierten vielerorts den Abfluss des Wassers. Wenn der Druck zu groß wurde, entluden sich Sturzfluten mit gewaltigem Druck, die alles mitrissen: Häuser, Autos, Bäume, Menschen.

Die drei Küstenorte Baganga, Cateel und Boston, wo der Taifun auf Land traf, waren nach Angaben der Helfer vom Katastrophenschutz von der Außenwelt abgeschnitten. "Die drei Städte mit 150.000 Einwohnern sind isoliert, weil eine Brücke einstürzte", sagte Innenminister Manuel Roxas. Andere Straßen waren nach Angaben der Gouverneurin der Provinz Davao Oriental, Corazon Malanyaon, durch Bäume und Geröll versperrt.

Taifun vor einem Jahr tötete Hunderte

Mit Baggern, Hacken und teils mit bloßen Händen versuchten Menschen überall den Rettern eine Passage zu bahnen. Überall waren Soldaten im Einsatz. Die Küstenwache und die Marine setzten Boote ein, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Dazu gehörten neben Nahrung und Kleidung auch Leichensäcke. "Die Menschen flehen uns unter Tränen um Hilfe an", sagte der Chef der Behörde für Katastrophenschutz, Benito Ramos. "Sie haben drei Grundbedürfnisse: Essen, Kleidung und Unterkunft."

Die Behörden hatten sich eigentlich auf das Schlimmste vorbereitet: Tausende Küstenbewohner waren in Sicherheit gebracht worden, die Schulen wurden geschlossen und die Menschen zur Wachsamkeit aufgerufen. "Aber es fühlte sich nicht so an, als sei ein Taifun im Anmarsch", meinte der Mitarbeiter der Bürgermeisterin in dem Zeitungsinterview. "Erst, als der Wind um 3.00 Uhr morgens anfing, hat keiner mehr gewagt, etwas zu sagen. Solche Geräusche haben wir noch nie erlebt."

Mindanao war erst vor einem Jahr Schauplatz verheerender Verwüstungen durch Tropensturm "Washi". Die Zerstörungen lagen auf der anderen Seite der Insel. Betroffen waren vor allem die Städte Cagayan de Oro und Iligan City. 1200 Menschen kamen dort Mitte Dezember ums Leben.

Quelle: n-tv.de

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