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Das Edifício Copan, ein Wohnhaus mit 32 Stockwerken, in Sao Paulo, wurde 1966 fertiggestellt.
Das Edifício Copan, ein Wohnhaus mit 32 Stockwerken, in Sao Paulo, wurde 1966 fertiggestellt.(Foto: dpa)

Brasilianer, Architekt: Oscar Niemeyer ist tot

Der brasilianische Star-Architekt Oscar Niemeyer stirbt im Alter von 104 Jahren in Rio de Janeiro. Niemeyer war vor knapp einem Monat in die Klinik gebracht worden. Er hinterlässt Hunderte Bauten weltweit.

Oscar Niemeyer war von der Arbeit besessen und die Architektur sein Lebenselixier. Auch als über 100-Jähriger ging der Vater der brasilianischen Architekturmoderne noch regelmäßig ins Büro an der Copacabana in Rio de Janeiro. Als er vor vielen Jahren einmal gefragt wurde, wie er gerne in Erinnerung bleiben würde, sagte er, auf seinem Grabstein solle nur ein Satz stehen: "Oscar Niemeyer, Brasilianer, Architekt. Er lebte unter Freunden und glaubte an die Zukunft." Am Mittwoch (Ortszeit) starb er in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro im Alter von 104 Jahren.

"Älterwerden ist Scheiße", hat Oscar Niemeyer einmal gesagt.
"Älterwerden ist Scheiße", hat Oscar Niemeyer einmal gesagt.(Foto: REUTERS)

Er zählte zweifelsohne zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Bauten wollte Niemeyer die Menschen immer überraschen, beschenken und zum Staunen bringen. Seine Heimat Brasilien war ihm in seinem jahrzehntelangen Schaffensdrang nie groß genug. Er entwarf und baute in Italien, Spanien, Frankreich, Israel und vielen Ländern rund um die Erde. Der Mann, der nach Worten des französischen Star-Architekten Le Corbusier (1887-1965) die Berge Rios in den Augen hatte, wurde am 15. Dezember 1907 als eines von sechs Kindern eines deutschstämmigen Kaufmanns in der Stadt am Zuckerhut geboren.

Nach dem Architektur-Studium begann durch die Zusammenarbeit mit seinen Vorbildern Lucio Costa und Le Corbusier der Aufstieg. Nachdem er 1943 mit dem alten Gesundheitsministerium in Rio internationales Renommee erlangt hatte, war er 1947 prägend am Entwurf des UN-Gebäudes am New Yorker East River beteiligt. Dann folgte Ende der 50er Jahre die Hauptstadt Brasília, die er gemeinsam mit Lucio Costa schuf. Der Durchbruch war da.

"Er hasste den Kapitalismus und den rechten Winkel"

In Deutschland baute er ein Wohnhaus für das Hansaviertel in Berlin (1957). Während der Militärdiktatur (1964-1985) wurde Niemeyer in Brasilien verfolgt und mit einem Arbeitsverbot belegt. Er blieb der Architektur zeitlebens treu, genauso wie seiner politischen Überzeugung. Bis zum Schluss war er bekennender Kommunist. Mit Kubas Revolutionsführer Fidel Castro pflegte er eine lange Freundschaft. Castro soll bei einer Gelegenheit mal gesagt haben, er, Castro, und Niemeyer seien vermutlich die letzten Kommunisten auf der Erde.

Der Nationalkongress in Brasilia, eröffnet 1960.
Der Nationalkongress in Brasilia, eröffnet 1960.(Foto: AP)

"Niemeyer hasste den Kapitalismus und den rechten Winkel. Gegen den Kapitalismus konnte er nicht viel ausrichten. Aber über den rechten Winkel, den Unterdrücker des Raumes, triumphierte seine freie, sinnliche und wolkenleichte Architektur", schrieb einmal der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano zu den Lebenshauptthemen des Brasilianers, der auch den Sitz der Kommunistischen Partei Frankreichs in Paris entwarf.

Der Betrachter kommt sich vor den Niemeyer'schen Werken stets klein vor. Ob es das futuristische Kongressgebäude in der "Reißbrett- Hauptstadt" Brasília ist, die geschwungene Freitreppe im Außenministerium oder die schlangenförmigen Aufgänge im Innern des "Pavillon Ciccillo Matarazzo" in São Paulos Ibirapuera-Park - immer stellt sich neben dem Staunen auch Ehrfurcht ein. Die Konfrontation mit den in Beton gegossenen Gedanken Niemeyers ist immer auch eine Begegnung mit völlig ungewohnten, unerwarteten Formen.

Als "Centenario", als Hundertjähriger, beschrieb er seinen Grundansatz für Architektur einmal so: "Gute Architektur, die, die ich bevorzuge, ist immer Architektur, die sich unterscheidet, die sich nicht wiederholt und die die Rolle eines Kunstwerkes annimmt. Für mich müssen Kunstwerke überraschen."

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Quelle: n-tv.de

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